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Hinterland Arzt fühlt sich rassistisch gemobbt
Landkreis Hinterland Arzt fühlt sich rassistisch gemobbt
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18:52 20.07.2012
Gießen

Gut sieben Monate arbeitete der 44-jährige Assistenzarzt in Weiterbildung für die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH. In der Anästhesie war er eingesetzt, sollte dort eingearbeitet werden und später selbstständig arbeiten. „Im Laufe der Zeit entstand der Eindruck, dass er sein Umfeld nicht so überwacht hat, wie es sein sollte. Es kam zur Gefährdung von Patienten“, berichtete Professor Markus Weigand, Leiter der Anästhesie am Standort Gießen und damit direkter Vorgesetzter des Klägers, gestern vor dem Arbeitsgericht, wo der Assistenzarzt gegen seine Probezeitkündigung geklagt und diese mit rassistischem Mobbing begründet hatte. Der Kläger habe einfach schlechte Leistungen erbracht und fachliche Defizite gehabt.

In einer Konferenz der Oberärzte beschlossen diese daraufhin kurz vor Weihnachten, dass der Assistenzarzt am Ende seiner Probezeit gehen müsse. „Wir haben uns das nicht leicht gemacht, aber auch nach Kritikgesprächen hat sich an der Arbeitsweise nichts gebessert“, erklärte Weigand.

Der Kläger sah das ganz anders: Er sei rassistischem Mobbing ausgesetzt gewesen, habe deshalb nicht seine volle Leistung erbringen können. In den Kritikgesprächen habe er sich mehrfach über das Mobbing bei seinen Vorgesetzten beschwert, ohne dass etwas unternommen worden wäre. Mit Schimpfwörtern wie „Mulatte, Mischling, Wichser, Bastard und Buschneger“ soll er von Oberärzten über das Pflegepersonal bis hin zur Putzfrau betitelt worden sein. Seine Arbeitsleistung sei grundsätzlich schlechter beurteilt worden, als die von vergleichbaren Kollegen - und zwar nur aufgrund seiner Hautfarbe, wie er behauptete.

„Diese Äußerungen sind für uns ohne Hand und Fuß“, erklärte Personalleiterin Susanne Diefenbach. Die Kündigung sei einzig und allein fachlich bedingt. „Für das rassistische Mobbing haben wir auch nach einigen Nachforschungen keinerlei Anhaltspunkte gefunden“, ergänzte Weigand.

„Warum haben Sie das Mobbing erst nach fünf Monaten angesprochen, als es zum ersten Mal darum ging, dass ihr Vertrag nach der Probezeit nicht verlängert wird und nicht schon viel früher?“, wollte Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle vom Kläger wissen, erhielt aber keine Erklärung.

Stattdessen erklärte sein Rechtsanwalt, er sei erstaunt, dass die Arbeit seines Mandanten so schlecht geredet werde, wo er doch in den Kliniken, an denen er zuvor tätig war, alles zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten ausgeführt habe. „Ich will nicht ausschließen, dass es am UKGM zur Gefährdung von Patienten gekommen ist. Das lag dann aber einzig und allein in der Verantwortung des Klinikums. Denn wenn man so rassistisch beschimpft und beleidigt wird, ist es wohl kein Wunder, wenn man bei seiner Arbeit nicht so aufmerksam ist, wie man sein sollte“, sagte er.

Da weder der Kläger noch das beklagte Unternehmen einen Weg der gütlichen Einigung sahen, blieb es an der Kammer des Arbeitsgerichtes den Fall zu entscheiden.

„Die Klage wird abgewiesen, die Kündigung ist wirksam“, urteilte das Gericht schließlich nach kurzer Beratungszeit. „Wir halten die Klage gegen das UKGM für unzulässig und unbegründet, auch wenn sie stellvertretend für das Land Hessen gehandelt und die Kündigung ausgesprochen hat“, begründete Rühle die Entscheidung. Die Klage gegen das Land sei zu spät erhoben worden und damit die nötigen Fristen nicht eingehalten worden.

Trotz dieser eigentlich aus formalen juristischen Gründen erfolgten Abweisung der Klage erklärte Rühle auch, dass die Sittenwidrigkeit und der Rassismus bei der Kündigung zwar durchaus hätten möglich gewesen sein können. „Aber wir halten den Vortrag der Klägerseite für nicht ausreichend und nicht schlüssig“, ergänzte der Arbeitsrichter. Es hätte vonseiten des Assistenzarztes detailliert dargelegt werden müssen, was, wann, wo, von wem und in welchem Zusammenhang gesagt worden ist. „Erst als die Probezeitkündigung angesprochen wurde, hat der Kläger auf die rassistischen Äußerungen der Kollegen aufmerksam gemacht. Da hatte er aber schon fünf Monate gearbeitet, ohne ein Wort darüber zu verlieren“, so Rühle. Daher gehe die Kammer von einer fachlich bedingten Kündigung nach der Probezeit aus.

von Katharina Kaufmann

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