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Artisten, Clowns, Fakire und Dompteure

Kinderzirkus Artisten, Clowns, Fakire und Dompteure

„Engel an meiner Hand und Schulterstehen mit Vogelnest. Los geht´s!“, sagt René Ortmann vom Circus Rondel. In der Manege üben die kleinen Trapezartisten für die drei Vorstellungen an diesem Wochenende. Seit zwei Tagen trainieren die Grundschulkinder für die große Show, die heute und am morgigen Samstag steigt. Schon jetzt funktionieren die Übungen reibungslos.

Friedensdorf. Mutig schwingen die jungen Artisten in fünf, sechs Metern Höhe ohne Netz und doppelten Boden über dem watte-weichen Sägemehl der Manege. Und einige steigen noch weiter auf - doch das zeigen sie an diesem Morgen nicht, denn: „Spione sind im Zelt“, scherzt René. Elisa und Havva-Nur gehören der Trapezgruppe an. Havva-Nur führt die Figur „Engel“ vor. Nur mit einer Hand und einem Bein werde sie sich dabei halten und unter der Kuppel schwingen, verrät sie. Sie fürchtet sich nicht - „naja, vielleicht ein bisschen!“ Elisa macht die Höhe nichts aus. Sie hat Übung: „Ich war schon bei meinem Onkel auf dem Dach.“

Trainer René Ortmann weiß, dass Kinder weniger Angst haben als Erwachsene. Trotzdem erlebe er in jeder Gruppe immer wieder krasse Unterschiede. Das wichtigste sei, gegenseitig Vertrauen aufzubauen. Zwar gehe es am Ende um eine gute Show. Doch im Fokus stehen pädagogische Aspekte: „Es geht um Selbstvertrauen, Zusammenarbeit und Motorik“, betont René Ortmann.

Der Zirkus ist ein Familienbetrieb, der vor achtzehn Jahren vom Groß- zum Mitmachzirkus wurde. Seitdem reist die zwölfköpfige Großfamilie aus Hannover umher und besucht Schulen.

Vor Ort teilten die Profis ihre Lehrlinge in drei Gruppen ein, die jeweils in einer der Vorstellungen auftreten werden. So kann jeder dabei sein. Insgesamt 240 Kinder wirken am Projekt mit.

Am Beginn der Woche stand zunächst der Zeltaufbau mit den Eltern auf dem Programm. Am Montag wurden die Kinder nach eigenen Wünschen aufgeteilt, am Dienstag begann das Training: Es gibt Zauberer und Clowns, Fakire, Artisten und sogar Tierdompteure.

Und die üben zeitgleich hinter dem Vorhang. In einem Korb in der Mitte sitzen drei Pfauentauben. „Das ist Paul“, sagt Lea und holt die weiße heraus. Chiara findet, man brauche keine Angst zu haben und setzt dem Gast von der Zeitung das Tier auf die Hand. „Zum Gesicht hinhalten, sonst fliegt sie weg“, empfiehlt Ursula Ortmann.

Celine wollte unbedingt etwas mit Tieren machen. Die Tauben fand sie interessant: „Die sind ja eigentlich scheu, und wann hat man mal die Chance, eine anzufassen?“ Dass die Tauben ruhig sitzen bleiben, liegt am intensiven Training - „wir haben hier keiner die Flügel gestutzt“, berichtet die Dresseurin.

Nach anderthalb Stunden wechseln die Darsteller: Nun tummeln sich Ponys und Fakire im Zelt.

„Hier! Keine Haare mehr drauf“, sagt Marvin, zeigt seinen Arm und lacht. Die Kinder arbeiten mit Feuer und Nagelbrettern. Felix kennt die Technik fürs Brett: Erst die Hände in Position bringen und dann ganz entspannt drauflegen. „Das ist ein geiles Gefühl“, schwärmt Carlos. Kayra findet das Spiel mit dem Feuer „voll männlich“ - ganz kindlich ist dagegen seine Aufregung vor der Show, bei der alle zugucken werden.

600 Menschen passen in das Zelt. Alle Vorstellungen sind fast ausverkauft. Marianne Schmidt, Konrektorin der Mittelpunktschule, ist hingerissen. Die Zirkusaktion macht die Schule zum ersten Mal. Es begeistert die Kinder, und auch der Altersunterschied in den Gruppen, denen Vorschulkinder ebenso wie Viertklässler angehören, ist kein Problem.

Am ersten Tag wurde die Lehrerin selbst auf dem Trapez bis unter das Zeltdach gezogen. „Ich dachte, mir bleibt das Herz stehen“, sagt sie mit leuchtenden Augen und erzählt, dass viele der Kinder bei den Proben aufblühen. „Das ist beinahe von therapeutischem Wert!“

In den achtzehn Jahren hat René Ortmann mit vielen Kindern gearbeitet. Die Show ist für alle etwas Besonderes und für viele einmalig. Jeder hat eine Rolle, bekommt ein Kostüme und wird geschminkt. René weiß: „Bei uns sind alle Kinder Stars!“

Aufführungen:

Am heutigen Freitag beginnt die Vorstellung der Kinder der Gruppe A um 18 Uhr. Die Kinder der Gruppe B bitten am Samstag um 11 Uhr ins Zelt. Um 16 Uhr zeigen dann die Kinder der Gruppe Cihr Können.

Karten sind nur noch an der Zeltkasse erhältlich. Erwachsene zahlen 7 Euro, Kinder 5 Euro. Das Zirkuszelt steht direkt an der Mittelpunktschule Dautphetal in Friedensdorf.

von Benedikt Bernshausen

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