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Arbeitsmarkt mit kleiner Winterpause

Dezember-Statistik Arbeitsmarkt mit kleiner Winterpause

Gute Konjunkturdaten und ein milder Winter bieten offenbar beste Bedingungen für den Arbeitsmarkt – denn im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitslosen erneut.

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Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im Dezember auf 4654 angestiegen.

Quelle: Patrick Seeger / dpa

Marburg. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat witterungsbedingt um 17.000 auf 2,385 Millionen gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Erwerbslosen um 183.000 zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,3 Prozent.

Im Gesamtjahr 2017 waren im Schnitt 2,533 Millionen Menschen ohne Job – und damit 158.000 weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank um 0,4 Punkte auf 5,7 Prozent, so die BA. Dies entspricht der niedrigsten durchschnittlichen Jahresarbeitslosigkeit seit der deutschen Wiedervereinigung.

Den Anstieg der Arbeitslosenzahl im Dezember führte die Bundesagentur allein auf den Winter zurück. BA-Vorstandschef Detlef Scheele sprach von einer sehr guten Entwicklung: „Die Zahl der arbeitslosen Menschen ist weniger gestiegen als saisonal üblich, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steigen auf hohem Niveau weiter kräftig an.“

Mildes Wetter tut Statistik gut

Hessens Arbeitsmarkt geht mit kräftigem Rückenwind ins neue Jahr. Direktionschef Frank Martin warnte angesichts von fast 54.000 unbesetzten Stellen vor einem langfristigen Fachkräftemangel. Das Potenzial von Langzeitarbeitslosen, Älteren und auch Frauen müsse weiter ausgeschöpft werden. Viele Flüchtlinge seien trotz Sprachkursen und Qualifizierungen noch nicht so weit, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können, erklärte Martin.

Im besten Dezember seit 24 Jahren war selbst der sonst zu dieser Jahreszeit übliche Anstieg der Arbeitslosenzahl ausgeblieben, was auch mit dem bislang milden Wetter zu tun hat: Die Baustellen können weiterlaufen, weniger Menschen in Außenberufen verlieren ihre Jobs. Mit 156.353 Männern und Frauen waren in dem Monat 88 Menschen in Hessen weniger arbeitslos gemeldet als im November. Vor einem Jahr waren fast 10.000 Arbeitslose mehr registriert. Die Arbeitslosenquote blieb vom Vormonat unverändert bei 4,7 Prozent.

Auch für das Gesamtjahr 2017 konnte die Direktion von einem Rekord berichten: Im Jahresdurchschnitt waren 166.287 Menschen arbeitslos gemeldet, auch das der niedrigste Wert seit 24 Jahren. Der Abbau der Arbeitslosigkeit werde auch 2018 weitergehen, erklärte Martin. Ein Einbruch der Konjunktur sei nicht erkennbar.

Positiver Trend setzt sich fort

Im Landkreis waren im Dezember 4654 Personen arbeitslos gemeldet – 362 Personen oder 7,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vormonat gab es allerdings 129 oder rund 3 Prozent mehr arbeitslose Menschen – die Zahl der Arbeitslosen sei in allen Regionen des Landkreises saisonüblich angestiegen, teilte die Arbeitsagentur mit. Die Arbeitslosenquote blieb im Dezember bei 3,5 Prozent und war damit um 0,4 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

„Die Top-Arbeitsmarktverfassung und der positive Trend setzen sich weiter fort“, sagt Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Marburg. Das zeige vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten: Sie sei zum Stichtag im Juni auf 90.604 gestiegen – 2127 oder 2,4 Prozent mehr, als ein Jahr zuvor. Wenz verdeutlicht: „Wenn es über die 90.000er-Marke geht, dann ist es ein gutes Zeichen.“ Zudem seien die Menschen, die arbeitslos würden, im Schnitt rund 110 Tage arbeitslos – im Vorjahr waren es noch 120 Tage. Im Jahresdurchschnitt waren 4926 Menschen ohne Arbeit – 211 oder 4,1 Prozent weniger, als im Vorjahr.

Wenz will Langzeitarbeitslosen helfen

Überproportional stark hätten Ausländer einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden – 991 mehr als im Vorjahr, was einem Plus von 13,4 Prozent entspricht. Insgesamt waren 8 399 Ausländer im Landkreis sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Wenz verdeutlicht, dass der Aufschwung bei nahezu allen Personengruppen ankomme – bis auf die Langzeitarbeitslosen. „Insgesamt ist ein Drittel aller Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Job“, so Wenz – dagegen wolle man etwas tun.

Eine mögliche Ursache für Langzeitarbeitslosigkeit sei eine fehlende Berufsausbildung – dort wolle die Arbeitsagentur in diesem Jahr ansetzen. „In allen drei Dienststellen gibt es nun eine Fachkraft, die sich speziell um alle Arbeitslosen bis 35 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung kümmert“, sagt Wenz. Das seien in der Versichertengemeinschaft aktuell 168 junge Leute.

Qualifizierung soll 
im Vordergrund stehen

Zudem nehme man in diesem Jahr mehr Geld in die Hand, um Menschen weiter zu qualifizieren – denn Qualifikation sei der Schlüssel schlechthin, um die Arbeitslosigkeit zu beenden.

618 neue Arbeitsstellen wurden bei der Arbeitsagentur im Dezember gemeldet, das waren 7 weniger als vor einem Jahr und 180 weniger als einen Monat zuvor. Insgesamt sei die Zahl der Stellenzugänge mit 8272 seit Jahresbeginn um 210 Stellen oder 2,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau geblieben.

Neu arbeitslos meldeten sich im Landkreis 1362 Personen, 116 Personen oder fast 8 Prozent weniger als vor einem Jahr; gegenüber November waren es 42 Personen oder 3 Prozent weniger. Zuvor erwerbstätig waren 538 Personen gewesen, 155 oder 22,4 Prozent weniger als vor einem Jahr; gegenüber Vormonat November waren es 49 Personen oder 10 Prozent mehr.

Gleichzeitig konnten sich 1230 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 50 Personen oder rund 4 Prozent weniger als vor einem Jahr; gegenüber November 2017 waren es 184 Personen oder 13 Prozent weniger Jahr.

Zachow rechnet mit saisonalem Anstieg

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB II beim Kreisjobcenter (KJC) ist zum Jahresende erneut angestiegen. Das KJC weist aktuell insgesamt 2950 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 38 Personen oder 1,3 Prozent mehr als noch im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 44 Personen oder 1,5 Prozent an. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt bei 2,3 Prozent.

„Einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember kennen wir seit Jahren. Der Entlassungstermin zum Jahresende sowie erste witterungsbedingte Arbeitsausfälle machen sich bemerkbar. Auch in den folgenden Wintermonaten wird die Arbeitslosigkeit vorwiegend saisonbedingt steigen“, konstatiert der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU).

Im Vergleich zum Vormonat ging die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 16 auf 6852 leicht zurück – ein Minus von 0,2 Prozent. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies jedoch einen deutlichen Anstieg um 332 oder 5,1 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat um 36 Personen oder 0,4 Prozent zurückgegangen – auf 8972 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 6,4 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 539 Personen.

von Andreas Schmidt 
und unserer Agentur

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