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Hinterland „Qualifikation ist die Herausforderung“
Landkreis Hinterland „Qualifikation ist die Herausforderung“
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18:25 03.05.2017
Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist erneut leicht angestiegen, der Ausbildungsmarkt ist weiterhin stark in Bewegung. Quelle: Alexander Heinl / dpa
Marburg

Im April ist die Zahl der Erwerbslosen bundesweit um 93.000 auf 2,569 Millionen gesunken. Das waren 175.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte.

Die Arbeitslosigkeit erreichte damit den niedrigsten April-Wert seit 1991, die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,8 Prozent. In Hessen fiel die Zahl der Arbeitslosen auf 168.683, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur berichtete. Das waren 1,8 Prozent weniger als im März und sogar 4,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Punkte auf 5,1 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 5,4 Prozent gelegen.

5252 Personen weist die Arbeitslosenstatistik für den April aus – das waren 46 Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr, der Anstieg entspricht einem Prozent. Die Arbeitslosenquote lag mit 4,1 Prozent 0,1 Punkte über dem Vorjahreswert. „Hier wird dennoch weiterhin Beschäftigung geschaffen“, erläutert Volker Breustedt. Die Arbeitsagentur sei nun auch für die sogenannten „Aufstocker“ aus dem Rechtskreis des SGB II zuständig – das waren im vergangenen Monat rund 150 Personen. „Die Zahl der Arbeitslosen im Versichertenbereich ist mit 2156 um 2,2 Prozent gesunken“, so der Agenturleiter.

Breustedt: Es gibt noch viel Potenzial

Sank die Arbeitslosenquote in Biedenkopf binnen Jahresfrist um 0,1 Punkte auf 3,2 Prozent und in Stadtallendorf gar um 0,4 Punkte auf 4,8 Prozent, so stieg sie in Marburg um 0,3 Punkte auf 4,1 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat März gab es leicht mehr arbeitslose Personen im Landkreis, und es traf vor allem die Personengruppen der Frauen,­ der älteren Menschen ab 50 und die der Ausländer. 149 Personen (rund 31 Prozent) mehr meldeten sich nach vorheriger Ausbildung oder Qualifizierung arbeitslos als im März. Hintergrund sei unter anderem, dass viele Menschen die Qualifizierungsangebote der vergangenen Monate zur individuellen Optimierung ihrer Bewerbung oder zur professionellen Gestaltung, Selbstdarstellung und Vermarktung ihrer Arbeitsleistung abgeschlossen hatten.

Denn Breustedt verdeutlicht: „Auch Menschen, die eine solche Maßnahme absolvieren, zählen de facto zu den Arbeitslosen – sie haben nur aufgrund ihrer Kurse einen anderen Status.“ Das waren im April fast 1300 Menschen. Die Zahl steige weiterhin, denn Breustedt weiß: „Qualifikation ist die Herausforderung.“ Es gelte, die Menschen, die mitunter unter vielfältigen Vermittlungshemmnissen litten, weiterbilden und wieder fit für den Arbeitsmarkt machen, „dort gibt es noch viel Potenzial“.

Zahl der gemeldeten Stellen ist stark gestiegen

Neu arbeitslos meldeten sich 1616 Menschen, 337 Personen oder 26,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zum März meldeten sich – hauptsächlich bedingt durch saiso­nale Einflüsse aus dem Ostkreis – 263 Personen oder knapp ein Fünftel mehr arbeitslos.
Zuvor erwerbstätig waren 645 Personen gewesen, das waren 72 oder 12,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 101 oder 18,6 Prozent mehr als im März.

Parallel dazu meldeten sich 1546 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab – 157 oder rund 11 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, allerdings 91 Personen oder 5,6 Prozent weniger als im März. Für 527 Personen endete die Arbeitslosigkeit mit Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, das waren marginal mehr als vor einem Jahr und vor einem Monat.

Erfreulich ist laut Breustedt die gemeldete Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze: Sie stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 186 oder 41,2 Prozent auf 637 an. Seit Beginn des Jahres seien somit insgesamt 2442 neue Stellen von Betrieben und Verwaltungen gemeldet worden, 319 oder 15 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.
„Matching“ läuft bei der Ausbildung auf Hochtouren

In Bewegung ist auch der Ausbildungsmarkt: Derzeit gibt es 1653 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, das sind 8,5 Prozent oder 129 Jugendliche mehr als vor einem Jahr. Parallel dazu sind bis jetzt 1501 Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Marburg gemeldet worden – 5,3 Prozent oder 76 Stellen mehr als ein Jahr zuvor. „Die Unternehmen stellen sich der Verantwortung und merken, dass sie ihre Fachkräfte von morgen selbst ausbilden müssen“, erläutert Breustedt. „Selbst jetzt werden uns noch Stellen für dieses Jahr gemeldet.“

Zurzeit gebe es im Landkreis 886 nicht versorgte Bewerber­ und 685 unbesetzte Ausbildungsstellen. Das „Matching“, also das Zusammenbringen von Angeboten und Suchenden, laufe auf Hochtouren.

Zachow: Trend wird sich dieses Jahr fortsetzen

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB II beim Kreisjobcenter (KJC) ist im Landkreis wieder angestiegen: Demnach waren im April 3096 erwerbsfähige Leistungsberechtigte als arbeitslos registriert. Das sind 57 Personen oder 1,9 Prozent mehr als im März. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis um 95 Personen oder 3,2 Prozent angestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt bei 2,4 Prozent – im April vergangenen Jahres waren es noch 2,3 Prozent.

„Der Anstieg der Arbeitslosenzahl ist hauptsächlich mit der steigenden Zahl der leistungsberechtigten Personen zu begründen“, erklärte der Erste­ Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow. „Angesichts der seit ­bereits letztem Jahr kontinuierlich steigenden Fallzahlen und der inzwischen knapp 1500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Fluchtmigration, die mittlerweile Leistungen vom KJC beziehen, ist der Anstieg der Arbeitslosenzahl nicht verwunderlich. Und dieser Trend wird sich voraussichtlich im Jahr 2017 weiter fortsetzen“, so Zachow.
Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 162 oder 2,4 Prozent auf 6945. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen deutlichen Anstieg um 499 oder 7,7 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg im Vergleich zum Vormonat ebenfalls an: um 219 oder 2,5 Prozent auf 9110 Personen. Im Jahresvergleich stieg die Zahl um 10,1 Prozent an – das sind 832 Personen mehr. Insgesamt befanden sich zum Stichtag im April 1597 Personen in Maßnahmen wie Weiterbildungen oder Qualifizierungen.

von Andreas Schmidt