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Mit viel Herz und wenig Schnickschnack

Arabella-Freunde Mit viel Herz und wenig Schnickschnack

Ein Hauch des Flairs vergangener Tage der Automobilgeschichte hat Biedenkopf durchweht. Dort waren die Arabella-Freunde Deutschland mit ihren „Schätzchen“ zu ihrem ersten Herbsttreffen zusammengekommen.

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Die Arabella-Freunde erregten mit ihren Fahrzeugen einiges Aufsehen am Biedenkopfer Marktplatz.

Quelle: Sascha Valentin

Biedenkopf. Auf dem Marktplatz funkeln die Karossen in der Herbstsonne. Ebenso die Augen der Oldtimer-Fans. Rund ein Dutzend der historischen Modelle aus dem Hause Lloyd (später Borgward) haben den Weg ins Hinterland gefunden.

„Alle Autos, die heute hier sind, wurden zwischen 1959 und 1963 gebaut“, informiert Uwe Pawelski, Vorsitzender der Arabella-Freunde, die Besucher, die die Ausstellungsstücke bestaunten. Weltweit gebe es nur noch 272 Arabellas, ergänzt er. „Und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, ihren Fortbestand auch in Zukunft zu ­sichern, damit auch künftige Generationen dieses Auto noch erleben können.“

Den einzigen Vierzylinder, den die Bremer Lloyd Motorenwerke gebaut haben, umgebe ­eine besondere Faszination, sind sich die Arabella-Freunde in Biedenkopf einig. „Es ist die Ursprünglichkeit und die puristische Technik, die die Autos auszeichnen“, beschreibt Pawelski diese Faszination.

Während heutige Autos vor Assistenzsystemen und Computersteuerungen nur so überquellten, wurde in der Arabella nur das absolut Notwendige verbaut. Das verleihe dem Wagen einen eigenen Charakter und ein ursprüngliches Fahrgefühl. „Ob Sommer oder Winter ist, merkt man daran, wie er anspringt“, sagt Pawelski und lacht. Das sei je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich. Ihm und seinen Kollegen gefällt es, dass bei der Entwicklung der Arabella „die Konstrukteure das Sagen hatten und nicht die Kaufleute“, wie das heute oft der Fall sei.

Taxi seit 67 Jahren ununterbrochen angemeldet

Ein weiterer Vorteil des Klassikers ist zweifelsohne dessen Robustheit. Sein eigenes ­Auto stand 35 Jahre lang in einer Scheune, bevor es wieder flottgemacht wurde und heute wieder 1 A läuft, sagt Pawelski. „Mit der Elektronik haben wir auf jeden Fall keine Probleme.“

Verantwortlich dafür, dass die Arabella-Freunde ins Hinterland gekommen sind, ist Horst Koch. Der Biedenkopfer hat früher in einer Lloyd-Vertragswerkstatt gearbeitet und hat mit Werksunterstützung der Bremer sogar an Rennen teilgenommen. Er nennt gleich mehrere­ Borgward- und Lloydmodelle­ sein eigen. „Mein Taxi wurde am 23. März 1960 zugelassen und war seitdem keinen einzigen Tag abgemeldet“, freut Koch sich über die Langlebigkeit des Wagens. Dabei hat er damit halb Europa bereist – war mit ihm in Dänemark und Holland ebenso wie in Belgien, der Schweiz oder Österreich.

„Hat halt nur keinen Tüv“

Nicht minder stolz ist Koch auf seinen Feuerwehrwagen, ­einen Borgward 1500. Ursprünglich sei der einmal als Krankenwagen bei der Bundeswehr im Einsatz gewesen. Dann wurde er zu einem Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Busenborn umgebaut, bevor Koch den ­Wagen übernahm und sich seitdem um ihn kümmert.

Seine große Leidenschaft für die historischen Fahrzeuge hat jedoch so richtig erst 1986 begonnen, als Koch an einen Lloyd Alexander kam – oder besser: an das, was von dem Fahrzeug noch übrig war. „Außer Vorder- und Hinterachse war das nämlich nicht viel“, verrät Koch. In mehr als 2000 Arbeitsstunden baute er den Wagen damals wieder auf und machte ihn fahrtüchtig. „Und er ist bis heute angemeldet, hat halt nur keinen Tüv“, sagt Koch.

Vor allem bei den älteren Hinterländern, die sie bei ihren Ausfahrten zur Sackpfeife und dem Polizei-Oldtimer-Museum in Marburg gesehen haben, dürften die Arabella-Freunde mit ihrem Herbsttreffen einige Erinnerungen geweckt haben. Erinnerungen an jene Zeit, als die Borgward- und Lloydmodelle noch das tägliche Straßenbild prägten und ihren Besitzern das gute Gefühl vermittelten, dass Autofahren auch ohne all zu viel Technik möglich ist.

  • Die Arabella-Freunde erstellen einen regelmäßigen Newsletter, der mittlerweile von mehr als 300 Oldtimerfreunden weltweit abonniert wird, wie der Vorstand berichtet. Bezogen werden kann er über die Webseite www.arabella-freunde.de.

von Sascha Valentin

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