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Hinterland Anlieger jubeln: Gladenbachs „U1“ ist zu
Landkreis Hinterland Anlieger jubeln: Gladenbachs „U1“ ist zu
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23:19 06.03.2012
Der Anlieger-Weg zwischen Marburger Straße und Sinkershäuser Weg ist jetzt Sackgasse. Als die Auffahrt noch offen war, gab es Unfälle – wie zuletzt im November vergangenen Jahres. Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Die Anlieger sind froh. Autofahrer, die Verkehrsschilder nur achten, wenn sie ihnen nützen, sind sauer: Gladenbachs meistbefahrene „Umgehungsstraße“ ist dicht. Die Stadt hat dem zunehmenden Verkehrsfluss auf der Abkürzung zwischen der Marburger Straße (B 255) und der Biedenkopfer Straße einen Riegel vorgeschoben und am Ende des Feldwegs am Sinkershäuser Weg rot-weiße Absperrtafeln im Asphalt befestigt.

Ein etwa 100 Meter langer Feldweg und die gleichlange Straße „Zu den Kauten“ dienten jahrelang Autofahrern als Abkürzung zwischen der von Marburg kommenden und nach Biedenkopf führenden Bundesstraße. Und das obwohl der Weg als auch die Straße nur für den Anliegerverkehr freigegeben sind. Umgangen wurde dabei die einzige Ampelkreuzung in Gladenbach, am Knotenpunkt  Biedenkopfer Straße / Marburger Straße.      

Anwohner und Fußgänger fühlten sich belästigt und gefährdet, und es gab ein weiteres Problem: Zwischen Feldweg und der Straße „Zu den Kauten“ liegt der Sinkershäuser Weg  (K 113). Die Abkürzer mussten diese vorfahrtsberechtigte Straße kreuzen. Viele taten dies, ohne anzuhalten. Folglich passierten an dieser Stelle immer wieder Unfälle, kleinere, bei denen sich Geschädigte und Verursacher ohne Polizei einigten und größere mit Verletzten und hohem Sachschaden.

Beim jüngsten schweren Unfall im November vergangenen Jahres wurden zwei Personen verletzt. Der Fahrer eines Paketdienstes kreuzte mit seinem Lastwagen von der Straße „Zu den Kauten“ kommend den Sinkershäuser Weg ohne am Stoppschild anzuhalten und nahm einem Pkw die Vorfahrt.

„Wir haben die Situation dort schon seit langer Zeit beobachtet“, sagt Gladenbachs Ordnungsamtsleiter Günter Becker und berichtet: „Wir und auch die Polizei haben dort öfter kontrolliert.“

Die Zahl derer, die den Weg verbotenerweise als Abkürzung nutzten, nahm aber eher zu als ab. Hinzu kamen Beschwerden von Anliegern, nicht nur wegen des starken Verkehrs während der Stoßzeiten, sondern auch wegen des rücksichtslosen Verhaltens vieler „Abkürzer“.

Mit dem klaren Ziel vor Augen, nicht nur die Strecke abzukürzen, sondern Zeit zu sparen „geben viele rücksichtslos Gas“, berichtet ein Anwohner des unteren Verbindungsweges am Sinkershäuser Weg. Von Spaziergängern werde der Weg vor allem in den Wintermonaten gemieden, weiß er und erklärt, dass es dort keinen Gehweg  gibt und sich Fußgänger, die bergauf unterwegs seien vor herannahenden Fahrzeugen auf die angrenzenden Äcker retten müssten. „Wir brauchen hier keinen Gehweg aber auf dem  Feldweg auch keinen Verkehr wie auf einer Durchgangsstraße“, sagt der Anwohner und beschreibt seine Erfahrung auf der Abkürzungsstrecke: „Wer das erste Verbotsschild missachtet, der interessiert sich meist auch nicht für den Rest der Straßenverkehrsordnung.“  Deshalb begrüßt er die Sperrung und kommentiert: „Es war höchste Zeit.“

Im besser ausgebauten oberen Teil der Strecke – zwischen der Kreisstraße 114 und der Bundesstraße 453 – traten die Abkürzer in der Regel kräftig aufs Gaspedal, wohl um die auf dem holprigen Teil verlorengegangene Zeit wieder aufzuholen. „Hier wurde hemmungslos gerast und die Rechts-vor-links-Regelung permanent missachtet“, berichtet ein Anlieger der Straße „Zu den Kauten“.

„Wir konnten nicht ständig kontrollieren und haben uns die Situation bei einer Verkehrsschau noch einmal angeschaut und gehandelt“, sagt Günter Becker und Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim ergänzt: „Nach Rücksprache mit den Anliegern und den betroffenen Landwirten sind wir zu der Überzeugung gekommen, den Feldweg zum Sinkershäuser Weg hin dauerhaft zu schließen.“

Dem Schritt, dort Barrieren zu errichten, hätten allen Betroffenen uneingeschränkt zugestimmt, versichert der Bürgermeister. Der permanenten Verkehrsgefährdung habe man mit Verbotsschildern nicht beikommen können, „also mussten wir den Weg schließen“, bekräftigt Klaus-Dieter Knierim.

Versuche, den motorisierten Verkehrsteilnehmern das Abkürzen an dieser Stelle zu verleiden, gab es bereits vor Jahren. Dafür sollten unter anderem sogenannte „Kölner Teller“ sorgen. Die metallenen Hubbel wurden quer über die Straße angebracht. Es hagelte Beschwerden, also wurden so viele Hubbel entfernt, dass man bei langsamer Fahrt die Mini-Barriere überfahren konnte, ohne durchgeschüttelt zu werden. Schließlich verschwanden alle „Kölner Teller“ und die Zahl der Abkürzer nahm wieder zu.

Auch jetzt, wo der Feldweg an seinem oberen Ende eine Sackgasse ist, scheint die Sehnsucht nach dieser Abkürzung noch nicht ganz abgeklungen zu sein. Noch immer fahren Autofahrer auf die Barrieren zu.

Anlieger beobachten verzweifelte Fahrer, die versuchten, die Barrieren aus dem Weg zu räumen. „Am Anfang standen im Feierabendverkehr manchmal vier, fünf Autos hintereinander vor dem Hindernis und es gab kein vor und zurück“, berichtet ein Anwohner. Inzwischen bahnt sich manches Geländeauto seinen Weg an der  Absperrung vorbei. 

von Hartmut Berge