Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Biedenkopfer weist Kindesmissbrauch von sich
Landkreis Hinterland Biedenkopfer weist Kindesmissbrauch von sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 17.08.2018
Mit seinem Verteidiger wartete der Angeklagte gestern auf den Prozessbeginn. Ihm werden viele Fälle von Kindesmissbrauch vorgeworfen. Quelle: Heiko Krause
Anzeige
Marburg

Wegen Kindesmissbrauchs steht ein 42-jähriger Biedenkopfer seit Montag, 13. August, vor dem Marburger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehr als 70 Fälle vor, zudem eine Vielzahl an körperlichen und seelischen Misshandlungen von Kindern.

„Ich sage nur, dass ich nicht schuldig bin“, erklärte der Beschuldigte vor Gericht nach Verlesung der Anklageschrift. Angeklagt sind allein 70 Fälle sexuellen Missbrauchs seiner damals elf beziehungsweise zwölf Jahre alten Stieftochter, die er im Zeitraum von 2014 bis 2015 mindestens einmal in der Woche teils mit Gewalt zu gegenseitigen sexuellen Handlungen gezwungen haben soll. Laut Anklageschrift hat er zudem das Mädchen mindestens ebenso oft geschlagen.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde auch der zum Tatzeitpunkt etwa fünfjährige Bruder aus nichtigen Anlässen das Opfer von Gewalt durch den Angeklagten. Ebenso die zweite Tochter der damaligen Ehefrau. Das Mädchen soll der Stiefvater geschlagen haben, weil es sich einnässte, den Jungen, weil er eine zweite Scheibe Brot wollte, sowie ein weiteres Kind, das zu Besuch war „aus Spaß“. An einem anderen Tag musste der Junge laut Anklage mehrere Stunden in einer Gartenhütte verbringen, weil er beim Spielen Sand auf den Rasen gebracht hatte.

Zeugin: Die Mutter weiß alles, verschließt aber die Augen

Ihr Bruder, so berichtete die Schwester des Angeklagten, habe sich immer Lebenspartnerinnen mit Kindern ausgesucht. „Und die waren immer total verängstigt“, berichtete sie, zudem verwahrlost und sie hätten sogar um Essen bei ihm betteln müssen. Sie gab zudem an, von der jetzigen Ehefrau im Hinblick auf die Aussage vor Gericht ­bedroht worden zu sein.

Die Zeugin berichtete, sie ­habe den Mann auch einmal mit einer Zwölfjährigen ins Schlafzimmer verschwinden sehen, ein anderes habe er in ihrer Gegenwart und vor deren Mutter aufgefordert, ihren Intimbereich zu zeigen. „Meine Mutter weiß ­alles, aber sie macht lieber die ­Augen zu,“ sagte sie. Selbst bei ­einem Kleinkind habe sie beim ­Wickeln Verletzungen gesehen, dessen Mutter habe ihr gesagt, dass sie durch Missbrauch des Angeklagten entstanden seien.

Angeklagt sind noch der Missbrauch eines Mädchens, bei dem es auch zum Geschlechtsverkehr gekommen sein soll, sowie drei weitere Taten aus den Jahren 1997 bis 2000. Mehrere zusätzliche Fälle, so berichtete­ der Vorsitzende Richter Thomas Wolf, wurden im Hinblick auf die Schwere der angeklagten, eingestellt.

von Heiko Krause

Anzeige