Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Angeklagte wird mit Videos konfrontiert
Landkreis Hinterland Angeklagte wird mit Videos konfrontiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:53 09.05.2012
Biedenkopf

Wegen Brandstiftung stand gestern eine 52-jährige Biedenkopferin vor dem Schöffengericht. Ihr wird vorgeworfen, am 12. September 2011 einen Imbisswagen auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle in Eckelshausen angezündet zu haben. Die Frau wohnt in unmittelbarer Tatortnähe und ist einschlägig vorbestraft. Zudem soll sie am 11. September 2010 ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss ein Auto gestohlen und gefahren haben.

In der Nacht zum 11. September habe sie ihrem damaligen Ehemann in Gießen den Schlüssel seines Touran aus der Tasche genommen und sei damit nach Biedenkopf gefahren. Am Abend habe sie den Touran auf dem Parkplatz des Bürgerhauses abgestellt und sei dort von der Polizei kontrolliert und mit auf die Wache genommen worden. Die Blutprobe ergab einen Wert von 1,66 Promille Alkohol.

„Das Fahren ohne Führerschein gebe ich zu, den Rest nicht“, sagte die 52-Jährige. Sie sei am 10. September in Lollar gewesen, um „noch einige Dinge wegen der Scheidung“ zu klären. Ihr Mann habe sie nach Hause gefahren. „Und am nächsten Tag stand sein Auto mysteriöserweise in der Garage. Mein Mann war aber nirgends zu sehen“, sagte die Angeklagte. Der Schlüssel habe gesteckt - daher habe sie das Auto auf dem Parkplatz abstellen wollen. Aber Alkohol hätte sie nicht getrunken, gab sie an. „Dann hätte die Polizei mich bestimmt nicht laufenlassen. Und eine Blutentnahme gab es absolut nicht.“

Angeklagte streitet die Brandlegung ab

Die Brandstiftung bestritt die Angeklagte vehement. „Ich war mit meiner Mutter in den Pilzen und bin erst nach 21 Uhr zurückgekommen“, sagte sie. Daraufhin habe sie noch Zigaretten ziehen wollen, „aber der Automat hat das Geld nicht angenommen. Also bin ich nach Hause zurück, habe nach einem Euro gesucht und bin wieder zum Automaten.“ Sie habe noch eine Zigarette geraucht und sei dann wegen einer starken Erkältung ins Bett gegangen - „vorher habe ich noch „Wick MediNait“ genommen. Und ich wurde erst wieder wach, als die Polizei mich geweckt hat.“

Die hatte die Angeklagte schnell in Verdacht. Doch auf Klingeln und Klopfen reagierte niemand in dem Haus. „Also hat ein Kollege in der Nachbarschaft eine Leiter organisiert. Denn im ersten Stock war ein flackerndes Licht wie von einem Fernseher zu sehen“, sagte eine Polizistin aus Biedenkopf. Der Kollege habe die Angeklagte schlafend auf dem Sofa gesehen und sie durch Klopfen geweckt, worauf die Frau die Tür öffnete. Die Polizistin weiter: „Sie hat sich nicht auffällig verhalten, aber nach Alkohol gerochen.“ Dann sei die 52-Jährige zur Polizeistation mitgenommen worden.

Was die Angeklagte nicht wusste: Sie war schon lange im Visier der Fahnder: Die Straße, in der ihr Haus steht, wurde per Videokamera überwacht. Und die Auswertung der Filme ergab, dass die Angeklagte von einem blauen Wagen gegen 18 Uhr nach Hause gebracht wurde.

Videoaufzeichnung verunsichert Angeklagte

„Kurz vor 19 Uhr hat sie das Haus verlassen und kam gegen 20.30 Uhr zurück“, so der auswertende Polizist. Kurz vor 22 Uhr habe sie wieder das Haus verlassen, um wenige Minuten nach 22 Uhr zurückzukehren. „Kurze Zeit später sind Rauch und Flammen im Hintergrund zu sehen“, sagte der Polizist, woraufhin das Video angesehen wurde. Danach zogen sich Verteidiger und Mandantin zurück und er erklärte danach, dass sie sich „nicht mehr ganz so sicher ist, dass sie wirklich zweimal das Haus verlassen hat“.

Die Zeiten im Video decken sich mit den Angaben der Besitzerin des Imbiss-Wagens. Die 35-Jährige erzählte, dass die Angeklagte häufig bei ihr war. Am Abend des Brandes kam sie gegen 19 Uhr. „Sie hat erzählt, dass sie mit ihrer Mutter Pilze gesammelt hat und hatte auch eine Tüte voller Pilze dabei“, sagte die Zeugin. Bis gegen 20.30 Uhr sei die Angeklagte geblieben, sie hätten geraucht und sich über „alles Mögliche“ unterhalten. Auch über das Angebot der Angeklagten, auf das Kind der Zeugin aufzupassen. „Das wollte ich aber nicht, denn im Ort war ich wegen der vorherigen Vorfälle vor ihr gewarnt worden.“ Also habe sie dankend abgelehnt.

Zudem sagte die Imbisswagen-Besitzerin aus, sie habe eine Woche vor dem Brand Kokel-Spuren an einer Steckdose für Starkstrom festgestellt. Dass dieses Kabel oder ein technischer Defekt das Feuer auslösten, schlossen sowohl ein Brandursachen-Ermittler der Kriminalpolizei Marburg als auch ein Spezialist für Brand- und Explosionsursachenforschung des Landeskriminalamts (LKA) aus. Aufgrund der Spuren sei es eindeutig, dass der Brand an der Rückseite des Wagens zwischen Reifen und einem Behälter, in dem Flüssiggasflaschen standen, gelegt wurde. „Die Gasflaschen hätten nicht explodieren können“, so der LKA-Spezialist. Denn sie seien mit einem Überdruckventil versehen: Würden die Flaschen zu heiß, entweiche das Gas über dieses Ventil.

Auf der Polizeistation wurde der Angeklagten eine Blutprobe entnommen, nachdem mehrere Versuche eines Atemalkoholtests gescheitert waren. Die Auswertung habe eine Alkoholkonzentration von 1,42 Promille ergeben - zurückgerechnet auf den Tatzeitraum stand laut Gutachten ein Wert von 1,69 bis 2,17 Promille an.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch, 16. Mai, um 9 Uhr im Saal 154 fortgesetzt.

von Andreas Schmidt

Das europäische Projekt „Jugend in Aktion“ ermöglicht es: vom 1. bis 15. Juli werden je zehn Jugendliche aus Dautphetal und aus der Partnergemeinde Cikó eine Freizeit in Hanstorf an der Ostsee verbringen.

09.05.2012

„Harte Tatsachen“ in Form von Skulpturen in Sandstein und Bronze sind im Amtsgericht Biedenkopf ausgestellt. Zugleich geben Fotografien „Einsichten“ in eine moderne Justiz in einem historischen Gebäude.

09.05.2012

Eine Nachkartierung hat ergeben, dass weder Rotmilan, noch Haselhuhn oder Waldschnepfe am Hilsberg brüten. Das teilte Dieter Domke, Erster Beigeordnete, am Montagabend den Gemeindevertretern mit.

09.05.2012
Anzeige