Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Amtsgericht präsentiert seine Arbeit

Tag der offenen Tür Amtsgericht präsentiert seine Arbeit

Am Freitag können Neugierige einen unbefangenen Blick in das Biedenkopfer Amtsgericht werfen und garantiert unbescholten wieder herauskommen.

Voriger Artikel
Streicheleinheiten für die Seele
Nächster Artikel
Eine Investition für die Zukunft

Das Amtsgericht in Biedenkopf öffnet am Freitag seine Türen.

Quelle: Gianfranco Fain

Biedenkopf. Morgen öffnen die meisten der 73 hessischen Gerichte ihre Pforten, aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf wirken alle drei Justizeinrichtungen mit. Unter ihnen bietet das Amtsgericht in der Biedenkopfer Hainstraße das umfangreichste Programm. Es enthält neben ernsten Themen, die auch ernsthaft präsentiert werden, auch Einblicke in den Gerichtsalltag, die humoristisch oder zumindest nicht alltäglich gestaltet sind. Zum Beispiel wenn Achtklässler der Lahntalschule in einem gespielten Prozess zeigen, wie sie entscheiden würden, oder auch wenn es im Gerichtssaal so richtig „hinterländisch“ zugeht - also platt geschwätzt und das Urteil begründet wird bei „Wenn aich den erwesche!“, aber auch wenn das Gerichtsgebäude fiktiv versteigert wird, um die Grundlagen einer Zwangsversteigerung zu erklären.

Weniger humorvoll geht es unter anderem sicherlich bei der Podiumsdiskussion zu, die „Drehtür Knast und kein Ende?“ übertitelt ist. Martin Lesser, Leiter der Justizvollzugsanstalt Gießen, Bewährungshelfer Stefan Volp, Mirko Schulte, Direktor des Biedenkopfer Amtsgerichtes, und ein ehemaliger Strafgefangener sprechen über die Grundlagen und Möglichkeiten bei der Bestrafung und Sicherung von Straftätern.

Um die Auseinandersetzung mit der NS-Unrechtsjustiz von 1933 bis 1945 geht es Dr. Georg D. Falk vom Oberlandesgericht Frankfurt in seinem Vortrag über „Ungesühnte Verbrechen der Nazijustiz“ mit Beispielen aus Mittelhessen.

Da es ein Aufarbeiten für das Hinterland noch nicht gab, haben die Mitarbeiter des Amtsgerichtes Biedenkopf Thomas Böhle und Borris Gubas die Akten aus der Zeit von 1933 bis 1945 ausgewertet und präsentieren ihre Funde in einer kleinen Ausstellung. Sie demonstriert, wie der NS-Terrorstaat über Justiz auch in das Hinterland hineinwirkte.

Insgesamt, so Gerichtsdirektor Schulte, sollen Gebäude und Abläufe den Menschen nahegebracht werden, um Entscheidungen transparenter zu machen und so Vertrauen in den Rechtsstaat zu ermöglichen.

Deshalb stehen am „Tag der offenen Tür“ die Menschen im Mittelpunkt - die Bürger ebenso wie diejenigen, die im Gericht arbeiten oder die mit ihnen zusammenarbeiten: Rechtsan­wälte, Staatsanwälte, Sachverständige und Polizei, aber auch die Bewährungshilfe, Opfer- und Suchthilfe und viele freie Träger der Wohlfahrtspflege.

Die angesprochenen Kooperationspartner haben während der Planung in großer Zahl und Vielfalt Beiträge zugesagt, sodass nur ein Teil berücksichtigt werden konnte. Aus Butzbach, Gießen und Frankfurt reisen Experten an, um in Biedenkopf Gericht „begreifbar“ zu machen. Auf diesen Zuspruch seien die Mitarbeiter des Amtsgerichtes - ob männlich oder weiblich - stolz. Sie haben sich ihrerseits jede Menge einfallen lassen, um den Menschen im Hinterland zu zeigen, wie ein Gericht funktioniert, freut sich Schulte über das Engagement seines Teams.

Und wie das beim Gericht Usus ist, werden auch gemeinnützige Institutionen bedacht, diesmal jedoch nicht durch Geldstrafen, sondern durch den Erlös aus Verkauf von Speisen und Getränken bei der Veran­staltung. Unterstützt werden das Demenzhilfe-Café Hand in Hand in Holzhausen, der Verein Frauen helfen Frauen und ein Suchtpräventionsprojekt der Lahntalschule.

von Gianfranco Fain

Das Programm

13 Uhr, Saal 110: Begrüßung durch Mirko Schulte, Direktor des Amtsgerichts, sowie Jürgen Schneider, Erster Stadtrat.

13.15 Uhr, Saal 110 und Flur Obergeschoss: Ausstellungs-Eröffnung „Kunst statt Sucht“.

13.45 Uhr, Saal 110: Im Namen des Volkes – Gymnasiasten der Lahntalschule gestalten Strafverhandlung.

14 Uhr, Saal 15: Tätigkeit eines Opferanwaltes und Aufgaben einer Opferhilfeeinrichtung.

14 Uhr, Nebengebäude, Saal 1: Das Familiengericht – Richterinnen, Rechtspfleger und Urkundsbeamte der Service­einheit stellen sich vor.

14 bis 18 Uhr, Flur 1. OG: Ausstellung „Historischer Justizarbeitsplatz“.

14.30 Uhr, Saal 110: Podiumsdiskussion „Drehtür Knast und kein Ende? Moderne Interventionen bei der Straftatvermeidung“.

14.45 Uhr, Saal 15: „Was kostet mich ein Anwalt?“

15 Uhr, Nebengebäude, Saal 1: „Ich will, dass Mama und Papa endlich aufhören zu streiten“ – Trennungsverarbeitung für Kinder.

15 bis 17 Uhr, Flur 2. OG: „Ohne sie geht gar nichts – die Menschen hinter dem Richter“.

15.30 Uhr, Saal 110: „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“ – fiktive Versteigerung des AG-Gebäudes.

16 Uhr, Saal 15: „Böses Erwachen – Baumängel und Bauprozess“.

16 Uhr, Nebengebäude, Saal 1: „Wenn die Eltern teuer werden – Elternunterhalt: Wer finanziert das?“

16 Uhr, Hof: „Führerschein in Gefahr, Teil I – Alkohol und Drogen“.

16.30 Uhr, Hof: Wachtmeister in Aktion – Aufgaben des Gerichtswachtmeisterdienstes, Vorführung, Deeskalation und Festnahme.

16.30 Uhr, Saal 110: Die un­gesühnten Verbrechen der Nazijustiz – mit Beispielen aus Mittelhessen.

16.45 Uhr, Nebengebäude, Saal 1: „Ein Betreuer für die Oma – (wann) muss das sein?“

17 Uhr, Saal 15: Phänomene und Rechtsfragen bei der Internetkriminalität – Kinderporno­grafie, Onlinebanking, Mal­ware.

17.15 Uhr, Hof: „Führerschein in Gefahr, Teil II - Geschwindigkeitsüberschreitung“.

17.45 Uhr, Saal 110: „Wann aich den erwesche“ – Strafverhandlung auf Hinterländer Platt, gespielt von Bürgern, Ortsgerichtsschöffen und Justizbediensteten.

17.30 Uhr, Saal 1: „Wie wird man Erbe?“ Erbfolge durch Gesetz oder Testament.

17.45 Uhr, Saal 15: „Straffällig durch Alkohol – Suchtberatung hilft auf dem Weg in ein abstinentes Leben“.

18.30 Uhr, Hof: Abschluss mit dem Hinterland-Jazz-Orchester.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr