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Am Tourismus scheiden sich die Geister

Bürgermeisterwahl Bad Endbach Am Tourismus scheiden sich die Geister

Vielbeachtete Themen der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Bad Endbach waren die Zukunftgestaltung von Freizeit und Tourismus.

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Am 24. September wird in Bad Endbach einer neuer Bürgermeister gewählt.

Quelle: Grafik:

Bad Endbach. Wie soll die Gemeinde Bad Endbach seine  Entwicklung als Tourismusregion vorantreiben, war eine der vieldiskutierten Fragen der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend (die OP berichtete). Die Bürgermeisterkandidaten offenbarten dazu, insbesondere zum Flowtrail, unterschiedliche Positionen.

Als erster äußerte sich Volker Jakob: „Ich sehe die Gemeinde anders aufgestellt“, sagte der unabhängige Kandidat.  Er favorisiert betreutes Wohnen, Reha und Pflege. Karina Schlemper-Latzel sieht den Flowtrail „etwas kritisch“, weil ein Ausbau und die folgende Pflege Geld kosten würde, das die Gemeinde nicht habe.

Gesundheit sei Stärke der Gemeinde

Die Favoritin der Freien Wähler plädierte dafür, „erstmal ein Konzept“ zu erstellen, wie es mit dem Tourismus in der Kommune weitergehen solle. „Wir sollten jetzt nicht wild drauflos planen“, sagte sie.
„Wohin wollen wir?“ Diese Frage stellte Armin Müller-Rasmussen in den Raum, um selbst die Antwort zu geben: „Wir brauchen ein Leitbild für die nächsten 20 Jahre.“

Gesundheit sei eine Stärke der Gemeinde und wachse ständig, Tourismus eine andere. Deshalb fordert er: „Wir müssen uns in diesem Bereich vernetzen und den Flowtrail einpflegen.“

Der von der CDU unterstützte Henning Hild erinnerte daran, dass man die Abfahrtstrecke für Mountainbiker legalisiert habe, um „für unsere Jugendlichen etwas zu schaffen“. Er ist dafür, den Trail in seiner jetzigen Form zu erhalten und auf ehrenamtliche Pflege zu setzen.

SPD-Kandidat Julian Schweitzer forderte, erst die 350 Pensionszimmer in der Gemeinde besser zu vermarkten und erst wenn es ein touristisches Konzept gebe zu entscheiden, ob der Flowtrail ausgebaut werden soll. Schweitzer hat die Vision einer Kombination aus Wellness und Action. Und da passten die Flowtrail-Nutzer rein, weil sie eine der „sanftesten Formen des Tourismus“ praktizieren.

Verlust der Therme verringern

Carsten Stoll sieht die Anlage als „zweischneidiges Schwert“. Bezüglich des Tourismusangebots plädierte er dafür, die Pensionen und Hotels, die es in Bad Endbach durchaus gebe, durch die Gemeinde besser zu vermarkten.
Walter Heil aus Bad Endbach sprach zwei Kandidaten direkt an.

Die Therme, die von vielen Auswärtigen genutzt werde, fahre jedes Jahr rund 700 00 Euro Verlust ein. Wie soll dieses Defizit, das offenbar auch nicht durch die Windräder ausgeglichen werden könne, verringert werden?

Müller-Rasmussen erinnerte daran, dass die Therme dank der auswärtigen Gäste der Gemeinde nicht nur Einnahmen von rund 1,7 Millionen Euro bringe, sondern auch für Folgegeschäfte im Ort sorge. Und: „Ohne die Windräder hätten wir keinen ausgeglichenen Haushalt.“

Café wäre finanzieller Ruin der Gemeinde

Auch Schweitzer brach eine Lanze für die Therme, bei der man nicht viel einsparen könne. „Hätten wir die Therme nicht, hätten wir ganz andere Probleme in Bad Endbach.“ Ohne dieses gebe es keinen Bad-Titel und keine Kurkliniken.
Ein aktuelles Problem war, wie es mit dem geschlossenen Kurpark-Café weitergehen soll. Der Bedarf ist vorhanden, ist für Müller-Rasmussen klar, und er schlägt ein „bespielen“ durch einen örtlichen Bäcker vor.

Karina Schlemper-Latzel bemerkte aber, dass die Ausstattung „nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht“. Die vom Gesundheitsamt aufgeführten Mängel können „so gravierend nicht sein“, entgegnete Müller-Rasmussen, denn „immerhin finden alle vier bis sechs Wochen Veranstaltungen im Kurpark statt“.

Henning Hild meinte, man müsse Geld reinstecken, um das Café wiederzubeleben und ihm zu Erfolg zu verhelfen. „Warum betreibt die Gemeinde es nicht einfach selbst?“, fragte daraufhin Carsten Stoll. Weil es der finanzielle Ruin für die Gemeinde wäre, entgegnete Schlemper-Latzel. Volker Jakob sprach von einem „riesigen Standortnachteil“. Schweitzer sieht wie Schlemper-Latzel eine Chance darin, einem Betreiber zumindest zeitlich begrenzt die Pacht zu erlassen.

von Gianfranco Fain

Einen weiteren Bericht zur Podiumsdiskussion finden Sie hier.

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