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Hinterland Am Anfang war das Garn
Landkreis Hinterland Am Anfang war das Garn
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16:36 30.12.2013
Hier sind Geschick und Mathematik gefragt: Webermeisterin Silke Mann aus Ebsdorf bei der Arbeit. Quelle: Ina Tannert
Ebsdorf

Weben - das bedeutet aus einfachen Garnfäden, aufwendigen Fadenreihen und mit geschickter Hand, komplizierte textile Flächengebilde mit den unterschiedlichsten Mustern herzustellen. Jahrtausendelang war war das Handwerk weltweit stark verbreitet, entwickelte sich immer weiter und konnte zahlreiche Webtechniken und -stile hervorbringen - bis zur Zeit der Industrialisierung. Heute werden die althergebrachten Techniken wieder beliebter, bemerken die letzten noch aktiven Weber. So auch Silke Mann, die seit einigen Jahren eine Handweberei in Ebsdorf betreibt.

Wichtigstes Werkzeug des Handwerks ist der Webstuhl. Altertümliche Gewichtswebstühle bestanden aus einfachen Rahmen, bei denen Fäden an horizontalen Balken befestigt und mit Steinen oder anderen Gewichten beschwert wurden. Im Laufe der Zeit wurden die Webstühle immer weiter verbessert.

Nur noch eine Handvoll Weber im Landkreis

Die einheimische Weberei nutzte schon früh Rohstoffe wie Wolle, Flachs oder Hanf sowie durch den sich ausbreitenden Handel eingeführte Waren wie Baumwolle oder Seide. Mit der Zeit entstanden unterschiedliche Spezialisierungen und damit eigene Gewerbe: Die Tuchmacher produzierten gewalktes und gerautes Gewebe aus Wolle, während Leinweber ausschließlich mit Leinen und Seidenweber mit Seide arbeiteten.

Seit der Neuzeit wird der Großteil der Stoffe in der westlichen Welt industriell hergestellt. Der ursprüngliche Handwebstuhl wurde schließlich durch die Webmaschine ersetzt, welche die traditionelle Handweberei nach und nach verdrängte. Der Weberberuf wurde vielerorts aufgegeben oder mit anderen textilen Gewerben zusammen gelegt. Im Landkreis gibt es nur noch eine kleine Handvoll professioneller Weber. Die Weberei wird heutzutage hauptsächlich als Kunsthandwerk betrieben, findet aber auch zunehmend Eingang in therapeutische Bereiche wie der Ergotherapie.

In den vergangenen Jahren hat das traditionelle Handwerk jedoch eine ganz neue Sympathie und einen langsamen, aber fortschreitenden Aufschwung erfahren. Der Blick der Konsumenten auf die Stoffverarbeitung habe sich verändert, erklärt die Weberei-Expertin Inge Seelig. Sie ist Obermeisterin der Textilgestalter-Innung Nord, einer der letzten beiden Weberinnungen in Deutschland. Vielerorts gehe der Trend weg von bedruckter, hin zu gewebter, hochwertiger Kleidung. In der heutigen, stark virtuell und maschinell beeinflussten Welt wüssten viele Menschen die traditionelle Handarbeit und deren selbst bestimmten Arbeitsprozess wieder mehr zu schätzen, freut sich die Obermeisterin.

Für Silke Mann, Weberin aus dem Ebsdorfergrund, ergibt sich das Interesse an der Weberei aus dem verbreiteten Wunsch nach dem Erhalt gewisser Traditionen in der schnelllebigen Zeit. Am Beispiel der Weberei treffe hierbei das langlebige, nach alter Technik gefertigte Design auf die ständig im Wandel begriffene, kurzfristige Mode. „Nur wenige wissen jedoch noch etwas über die Weberei“, sagt die Unternehmerin. Der Wunsch, mehr über die jahrtausendealte Technik zu erfahren und diese zu nutzen, sei in den letzten Jahren stark gewachsen. Die von ihr angebotenen Webkurse seien geradezu überlaufen.

Die komplizierte Technik des Weberhandwerks wird häufig unterschätzt. Ein Weber muss eine Vielzahl an technischen wie auch organisatorischen Fähigkeiten mitbringen. Dabei ist die Arbeit am Webstuhl der geringste Teil des Gesamtprozesses. Am Anfang steht das Garn, das zahlreiche Fertigungsschritte durchlaufen muss, ehe es in einem komplizierten Webmuster verarbeitet wird. Zuallererst muss in einem mehrstündigen Prozess erst einmal das Muster erstellt und vorbereitet werden. Die korrekte Fadenanzahl wird errechnet und abgezählt.

Jedes Muster erfordert eine genaue Berechnung

Im Anschluss wird die Webstuhlbespannung hergestellt, das sogenannte „Schären“ durchgeführt. Dafür müssen die einzelnen Fäden in mehreren Arbeitsschritten ordentlich voneinander getrennt und schließlich auf den Webstuhl aufgewickelt werden. Grundlage der Webstuhl-Arbeit sind zwei Fadensysteme, der Kett- und der Schussfaden, die im rechten Winkel miteinander verkreuzt und während des Prozesses regelmäßig miteinander verbunden werden. Um dies zu erreichen, wird ein Teil der aufgespannten Kettfäden angehoben, die andere Hälfte gleichzeitig gesenkt. Durch das dadurch entstandene „Fach“ wird der Schussfaden, der das fertige Gewebe, später zusammen hält, über die gesamte Webbreite „hindurch geschossen“. Nach jeder Bahn schlägt zudem das Webblatt den neuen Faden an das bereits fertige Gewebe an. Dadurch sowie durch das Heben und Senken der Fäden entsteht die Bindung des Textils.

Der Muster- und Farb-Vielfalt sind in der Weberei kaum Grenzen gesetzt. Jedoch erfordert jede Musterung eine klare Vorstellungskraft und mathematische Begabung. Besonders beliebt sind alte Muster wie „Gänseauge“, „Gerstenkorn“ oder „Scheindreher“. Die meisten traditionellen Muster der Vergangenheit sind durch den Rückgang des Weberhandwerks mittlerweile verschwunden. Aber es entwickeln sich nach wie vor immer neue Strukturen und Designs.

von Ina Tannert

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