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Alles wartet auf Novartis Vaccines

Grippe-Impfstoffe Alles wartet auf Novartis Vaccines

Auch mit den Ersatz-­Impfstoffen von Novartis ­Vaccines gibt es ­Schwierigkeiten bei der Auslieferung. Eine erste Charge ist seit Freitag zumindest zugelassen.

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Das Novatis-Gelände in Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der nahende Herbst scheint kein goldener für die Marburger Firma Novartis zu werden. Zuerst meldete das Unternehmen, dass der Grippeimpfstoff Begripal erst Anfang November in größeren Mengen ausgeliefert werden könne (die OP berichtete). Nun sollen die Patienten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern mit alternativen Impfstoffen versorgt werden. Für Versicherte ab 18 Jahren ist dies der Zellkulturimpfstoff „Optaflu“ und für über 65-Jährige „Fluad“. Beide werden von Novartis Vaccines bereitgestellt.

Allerdings steht der in Marburg produzierte Impfstoff „Optaflu“ in der Kritik. Bei seiner Herstellung werden die für die Antigenproduktion benötigten Impfviren nicht in Hühnereiern vermehrt, sondern in Zellkulturen. Diese sogenannten MDCK-Zellen können bei Mäusen mit abgeschwächter Immunreaktion Tumore an der Stelle erzeugen, an der diese Zellen injiziert wurden, sagen Experten. Überdies sei „Optaflu“ noch nie großflächig verimpft worden. In den USA hat der Impfstoff darüber hinaus keine Zulassung.

Novartis will Lieferschwierigkeiten nicht erklären

Das für die Freigabe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sieht jedoch keinen Anlass, eine Gefährdung für den Menschen anzunehmen. Am vergangenen Freitag erteilte es die Zulassung für die erste „Optaflu“-Charge. Diese soll noch in dieser Woche in den Arztpraxen in Norddeutschland verfügbar sein, meldet die Deutsche Apotheken Zeitung. Während der Influenzapandemie der Jahre 2009/2010 sei bereits der Influenza-Impfstoff gegen die Schweinegrippe von Novartis mit Zellen genau derselben MDCK-Zellbank im gleichen Prozess hergestellt worden. „Celtura“ sei seinerzeit weltweit 100000-fach angewendet worden, ohne dass über eine durch den Impfstoff verursachte lokale oder systemische Tumorentstehung berichtet wurde, heißt es vom PEI zu der Kritik an „Optaflu“.

Wolfgang Becker-Brüser, Chefredakteur des „arznei-telegramms“, bleibt dennoch skeptisch: Veröffentlichte Daten zu einer systematischen Nachbeobachtung der mit „Celtura“ geimpften Personen finde man nur für knapp 4000 Impflinge, sagte er in einem Interview.

Warum es überhaupt zu den Lieferschwierigkeiten bei dem Grippeimpfstoff von Novartis Vaccines gekommen ist, dazu äußerte sich das Unternehmen weiter nicht: „Die Novartis ­Vaccines Vertriebs GmbH hat am Freitag wie geplant begonnen, saisonalen Grippeimpfstoff nach Hamburg und Schleswig-Holstein auszuliefern“, teilte die Marburger Pressestelle kurz und bündig mit. Zu den konkreten Hintergründen für die Verzögerungen bei der Auslieferung machte der Konzern trotz mehrfacher Nachfrage keine Angaben.

Neues Bestellverfahren führt im Norden zu Verzögerungen

Weshalb die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern so sehr von den Lieferschwierigkeiten der Firma Novartis betroffen sind, erklärt sich durch das neuartige Bestellverfahren, das mit Beginn dieses Jahres eingeführt wurde: Anders als früher haben dort zum ersten Mal die Krankenkassen über das exklusive Bereitstellen eines Grippeimpfstoffes verhandelt. In Hessen bestellen die Ärzte und Apotheker ihre Impfstoffe noch selbst bei den Lieferanten und Herstellern.

Die Stärke von Grippewellen kann nicht vorhergesagt werden und wirkt sich typischerweise in verschiedenen Regionen, Risiko- oder Altersgruppen unterschiedlich aus. Selbst bei moderaten Grippewellen kann das individuelle Risiko für eine schwere Erkrankung hoch sein. „Generell sollten chronisch Kranke, Ältere über 60 Jahren, Schwangere und das Medizinpersonal zur jährlichen Grippeschutzimpfung gehen, bevorzugt im Oktober oder November“, betont Reinhard Burger, Präsident des Robert-Koch-Instituts.

Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der hessischen Ärztekammer sagt: „Idealerweise sollte man sich in den kommenden Wochen gegen die saisonale Grippe impfen lassen. Der volle Impfschutz tritt etwa 14 Tage nach der Impfung ein.“

Da sich die Grippeviren von Saison zu Saison verändern, musste auch für dieses Jahr ein neuer Impfstoff aus Bestandteilen der aktuell weltweit zirkulierenden Influenza-Virustypen entwickelt werden.

von Dennis Siepmann

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