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Allendorferin ist "Annerscht"

Buchvorstellung Allendorferin ist "Annerscht"

Für Allendorfs Ortsvorsteherin Gundhild Krämer-Kornja ist das Anderssein eigentlich kein Problem. Wie sich das "Annerscht"-Sein auswirkt, beschreibt sie in ihrem Buch.

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Gundhild-Krämer-Kornja (links) feiert heute ihren 50. Geburtstag und präsentiert mit Autorin Regina Käsmayr das Buch, in dem die Allendorferin ihre Lebensgeschichte als Contergan-Geschädigte aufgeschrieben hat.Foto: Ingrid Lang

Allendorf. Ein Leben - seit genau einem halben Jahrhundert - als Contergan-Geschädigte ist die Geschichte der Allendorferin Gundhild Krämer-Kornja. Zu ihrem 50. Geburtstag hat sie sich ihren Traum erfüllt und ihre Lebensgeschichte als Buch mit dem Titel „Annerscht“ herausgebracht.

Das 139 Seiten starke Buch beschreibt das Leben mit einer Behinderung. Auslöser war eine kleine als ungefährlich eingestufte Pille, die ihre Mutter während der Schwangerschaft vor mehr als 50 Jahren eingenommen hat.

Gundhild Krämer-Kornja, die seit vielen Jahren Ortsvorsteherin in Allendorf ist, hat ihr Leben trotz der Behinderung und dem „Anderssein“ gemeistert. Sie war schon als Kind sehr quirlig, zeigte sich aber auch als Trotzkopf, wenn einem Kind ohne Behinderung etwas gelang, ihr aber nicht.

Die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte die Autorin überwiegend in einem Reha-Zentrum in Hessisch Lichtenau mit anderen Kindern, in dem sie auf ein Lebens mit einer Behinderung vorbereitet wurde. Danach kehrte sie wieder ins Elternhaus nach Allendorf zurück und tobte mit ihren Freundinnen durch das Dorf.

Auch der Weg zur regelmäßigen Therapie, der mit dem Zug nach Marburg führte, war sehr umständlich, denn so wie heute gab es damals keine Ergotherapie oder Logopädie in der unmittelbaren Nähe. Wäre es nach dem Willen der Gesundheitsamt-Mitarbeiter gegangen, hätte Krämer-Kornja eine Sonderschule besuchen sollen. Dagegen hatte sich vor allem ihre Mutter vehement gewehrt und gestärkt durch Rektor Heinrich Lenz sowie die Lehrer der MPS Dautphetal gab das Amt schließlich nach.

Nach ihrem Schulabschluss absolvierte die Allendorferin eine Lehre im Rathaus Dautphe, wo sie später als Standesbeamtin fungierte. Sie absolvierte - mit einigen Hindernissen - ihre Führerscheinprüfung und lernte etliche Jahre später ihren Mann kennen.

Gundhild Krämer-Kornja ist glücklich verheiratet und stolz auf ihre Tochter. „Ich bin froh dass ich auf einem Dorf aufgewachsen bin, denn hier kennt mich jeder und nimmt mich so wie ich bin.“

Zufällig hat sie auf einer Vernissage im Kindergarten in Allendorf die Autorin Regina Käsmayr kennengelernt, mit der sie mittlerweile eine Freundschaft verbindet und die ihre fesselnde Lebensgeschichte aufschrieb.

„Über die Zeit aus Kindertagen hat meine Tante der Autorin berichtet, denn daran kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt Krämer-Kornja.

Es ist ein Buch das von Herzen kommt und zu Herzen geht und für viele Kinder, beziehungsweise Erwachsene, die auf dem Dorf aufgewachsen sind, Parallelen zieht.

Das Buch kann in jedem Buchhandel bestellt werden. Wer sich für die Geschichte des Buches interessiert kann auch mit Gundhild Krämer-Kornja einen Termin für eine Autorenlesung vereinbaren.

von Ingrid Lang

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