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„Alarmstimmung, aber keine Panik“

HOPPE „Alarmstimmung, aber keine Panik“

Die HOPPE-Werke haben eine Unternehmensberatung eingeschaltet, um ihre langfristige Strategie zu prüfen.

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Diese Mitarbeiter wurden für 25-jährige Betriebszugehörigkeit geehrt.Fotos: HOPPE

Marburg. Die Bundesregierung jubelt über eine wachsende Wirtschaft und sprudelnde Steuereinnahmen - Vorstand Wolf Hoppe blickte bei der Jubilarehrung am Mittwoch eher mit Sorgenfalten auf die Lage: Seine Bedenken wegen eines „immer unfreundlicheren Umfeldes“ hätten sich im Laufe des Jahr bestätigt, bilanzierte er in seinem Rückblick. Das Unternehmen müsse sich „auf die eigenen Stärken besinnen“.

HOPPE ist europaweit Marktführer bei der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Beschlagsystemen für Türen und Fenster, die Krise in einigen Euro-Staaten schlägt auch auf deren Baubranchen durch. Folge: Die Gesamtleistung der internationale Gruppe schrumpft in diesem Jahr voraussichtlich um drei Prozent.

So werde die Krise in Frankreich und Italien „schwierig für uns“, weil beide Länder wichtige Absatzmärkte seien, sagte Hoppe. Dort sei die Baubranche um zweistellige Prozentsätze zurückgegangen. Auch wenn die Lage in der Bundesrepublik besser sei als in fast allen anderen Ländern Europas und die Baubranche noch relativ gut da stehe, leide die „grundsätzlich starke deutsche Wirtschaft“ unter den Rahmenbedingungen. Die HOPPE-Werke seien unterschiedlich ausgelastet gewesen. So habe es Anfang des Jahres in Bromskirchen Schließtage gegeben, während in Stadtallendorf Sonntagsschichten erforderlich gewesen seien. Hoppe lobte das Engagement und die Flexibilität der Mitarbeiter, „dies brauchen wir als Antwort auf ein immer unfreundlicheres Umfeld.“

In der Abstufung Delle, Krise und Katastrophe „sind wir näher an Krise als an Delle“, beschrieb Hoppe. Obwohl der Rückgang durch die allgemeine wirtschaftliche Lage erklärbar sei: Eine schrumpfende Gesamtleistung „gehört sich nicht für einen Marktführer, es ist besser, gesund zu wachsen als sich gesundzuschrumpfen“, sagte der Vorstand.

„Auch wenn mir die aktuellen Zahlen nicht gefallen“: HOPPE sei dennoch ein „kerngesundes Unternehmen“ mit einer „ausgezeichneten Liquidität und einer äußerst guten Eigenkapitaldecke“, betonte Hoppe.

Die traditionell intensive Ausbildung werde auf hohem Niveau fortgesetzt. Dies solle auch dabei helfen, die Herausforderungen des Bevölkerungswandels zu meistern. Als Anerkennung ihrer Flexibilität und ihres Engagements erhielten die Mitarbeiter neben anderen Leistungen wieder eine erfolgsabhängige Einmalzahlung. - Beim Ausblick auf 2013 muste Hoppe vage bleiben: „Es wird jedes Jahr schwieriger zu mutmaßen.“ Als Parole gab er aus: „Alarmstimmung, aber keine Panik“, das Unternehmen müsse die in der Weltwirtschaftskrise nach 2007 erprobte „Krisenmentalität“ wieder „auspacken“.Hoppes Antwort auf die ungewisse Lage: „Wir müssen uns auf unsere eigenen Stärken besinnen - wir haben welche, sonst wären wir nicht Marktführer. Wir haben ,Luft‘, um Dinge eigenverantwortlich zu verändern.“

„Und wir haben auch ‚Luft‘, um die langfristige Strategie zu prüfen“, sagte Hoppe. In Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung werde deshalb seit einigen Monaten die langfristige Ausrichtung überprüft. Die Fachleute sollten „die richtigen Fragen stellen - wir bleiben aber Herr des Verfahrens“, betonte er. Oder bildlich gesprochen: „Wir wollen noch besser angeln lernen, statt einmal einen gebratenen Fisch serviert zu bekommen.“ Erste Ergebnisse: Es gebe noch „enormes Potential zur Steigerung der Überlebensfähigkeit“, da lasse sich einiges gestalten. „Wenn wir es tun, werden wir noch gesünder und fitter sein“. Vieles müsse sich ändern, nicht jedoch die „fundamentalen Gedanken“ über die seit der Gründung vor 60 Jahren bestehenden Werte des Unternehmens. Die drei wichtigsten seien Vertrauen, Verantwortung und Verständnis, hinzu kämen Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Loyalität, Integrität und Anstand. „Das müssen wir alle jeden Tag praktizieren“, mahnte Hoppe. Diese „gelebte Wertekultur sei ein Wettbewerbsvorteil, „sie macht uns stärker“, sie erhöhe die Lebensqualität und steigere die Überlebensfähigkeit des Unternehmens.

von Dr. Karl Schilling

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