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Aus Ernüchterung wird Ehrgeiz

Ahnenforschung Aus Ernüchterung wird Ehrgeiz

Der Name Debus ist im Hinterland häufig. Ein Mann dieses Namens startete in den 1980ern ein Projekt, das nun vorläufig endete: die Verwandtschaftsverhältnisse der Debus‘ zu klären.

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Der „Pahles-Hof“, den es so heute nicht mehr gibt, spielt eine wichtige Rolle im De-Fa-Projekt.

Quelle: privat

Biedenkopf. Der Ursprung der neuapostolischen Gemeinde in Wallau ist eng mit dem Namen Katharina Debus aus Holzhausen verknüpft. Aber zu welcher Debus-Familie gehörte ihr Mann Heinrich? Und war Katharina, eine geborene Debus, verwandt mit ihrem Mann? Wer sich für solche Fragen interessiert, findet im Internet Antwort. Unter www.geschichte-im-hinterland.de ist auch das De-Fa-Projekt zu finden, das sich der Aufgabe widmet, die Geschichte und die Beziehungen der Debus-Familien untereinander aufzuarbeiten.

Die zarten Anfänge des Projekts liegen knapp drei Jahrzehnte zurück. Während eines Ferienaufenthaltes im Jahr 1988 in Gönnern suchte der in Gönnern geborene Günter Debus Pfarrer Jörg Debus in Dautphe auf, um Einsicht in die Kirchenbücher zu nehmen. „Ich wollte nachprüfen, ob die Annahme meiner Verwandtschaft in Gönnern stimmt, dass unsere Vorfahren Hugenotten sind“, berichtet Günter Debus. Von Pfarrer Debus erhielt er aber eine­ Antwort, die ihn verblüffte: „Meine Vorfahren kommen aus dem Hinterland.“

Der evangelische Pfarrer ­habe eine Schreibtischschublade ­geöffnet, erinnert sich Debus noch heute an die Begegnung, und ihm einen dicken Aktenstapel in die Hand gedrückt. „Stunden später wusste ich, dass wir beide, Jörg Debus und ich, gemeinsame Vorfahren in Mornshausen/Dautphetal haben und unsere Linie zum Pahles-Hof nach Katzenbach führt und von dort nach Friedensdorf“, erzählt der emeritierte Professor aus Aachen weiter.

Lob für Arbeit von Helmut Mankel

„Die in meiner Familie uns faszinierende Vorstellung, in der Nachfolge von bekenntnisstarken Hugenotten zu stehen, brach in sich zusammen“, blickt Günter Debus zurück. Diese zunächst ernüchternde Erkenntnis hielt ihn aber nicht von weiteren Nachforschungen zur Geschichte seiner Vorfahren ab. Er knüpfte Kontakte zu engeren und entfernten Verwandten, führte seine Ergebnisse mit ­ihren Erkenntnissen zusammen. 2009 startete er zusammen mit Anneliese Westmeier aus Buchenau das De-Fa-Projekt. „Dafür waren inzwischen die Voraussetzungen gut“, erzählt der Aachener. ­

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Eckard Henkel, ein in Königswinter wohnender gebürtiger Biedenkopfer. Anneliese Westmeier begleitet als Leiterin des Hinterländer Genealogenkreises die Arbeit. Stefan Debus aus Rachelshausen hat die Hartenroder Debus-Linie im Blick. Günter Debus selbst betreut die Berichte der Friedensdorfer Linie – das heißt: die Debus-Familien, deren Stammhaus das Kaute-Haus in Friedensdorf ist. „Ohne die gründlichen Recherchen in Kirchenbüchern von Helmut Mankel in Holzhausen wäre vieles im Nebulösen geblieben“, fügt Günter Debus hinzu.

Begrenzte Heiratsoptionen in Katzenbach

Viele weitere Autoren hätten mitgewirkt, indem sie ihre ­
 Erinnerungen und Recherchen über ihre eigene Familie­ und einzelne herausragende ­Personen niedergeschrieben haben.­ Stammbäume bilden das Gerüst, um Geschichten von ­Familien, Häusern und Menschen zu erzählen. Biografische Darstellungen aus drei Jahrhunderten geben Einblicke in Lebensläufe, Schicksale und Ereignisse. Die Herkunft der Debus-Familien in vielen Dörfern des Hinterlandes wird rekonstruiert. Auch wird die Auswanderung in ferne Orte außerhalb des Hinterlandes verfolgt.

Einige Orte im Hinterland wurden besonders gründlich bearbeitet, wie zum Beispiel Katzenbach. Dort gab es seit Ende des Dreißigjährigen Krieges zwei der vier Höfe, in die die Debus aus Friedensdorf eingeheiratet hatten: der Pahles-Hof, so benannt nach Paulus Debus, und der Enners-Hof, in den seine Schwester einzog. „Besonders von Katzenbach aus, denn dort gab es nur begrenzte Heiratsoptionen, wanderten­ die Debus in die benachbarten Ortschaften, so nach Friedensdorf, Mornshausen, Eckels­hausen, Buchenau, Dautphe, Wallau, Hommertshausen und Gönnern“, erzählt Günter Debus. Jenseits dieser Dörfer habe es eine Grenze zur Hartenroder Linie gegeben, die nur selten durch Heirat überschritten worden sei. Besonders konzentriert ist die Hartenroder Linie bis heute in Schlierbach. Viele­ Berichte sind bereichert mit ­Bildern und Dokumenten.

Kam ein bekannter Raketenforscher aus dem Hinterland?

Wer die Seite studiert, stößt auf spannende Fragen – und ebenso spannende Antworten. Kommt etwa der Raketenforscher Kurt Debus aus dem Hinterland, der weltbekannte Mann, der zusammen mit Wernher von Braun in Peenemünde gearbeitet hat und später für den Mondflug verantwortlicher Leiter der Raketenstation war? Ist der nach ihm auf dem Mond benannte Debus-Krater ein Treffer aus dem Hinterland? Wie kam es zu dem Debus-Tunnel an der Champagne-Front im Ersten Weltkrieg, der von Karl Debus gebaut wurde, einem Enkel eines Auswanderers aus Mornshausen? Kommen bekannte Debus-Künstler aus dem Hinterland, zum Beispiel der Liedermacher Helmut Debus oder die Flötistin Tabea Debus? Antworten sind auf www.geschichte-im-hinterland.de zu finden.

Mit der Heirat von Katharina Debus aus Holzhausen und Heinrich Debus aus Wallau Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu der damals seltenen Verbindung zwischen den Friedensdorfer und Hartenroder Debus-Linien. Der Weg der Hartenroder Linie geht für Katharina Debus von Hartenrod über Schlierbach nach Holzhausen, für Heinrich Debus von Friedensdorf über Katzenbach und Eckelshausen nach Wallau.

von Hartmut Bünger

Mehr zur Ahnenforschung im Hinterland lesen Sie hier.
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