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Ärzte wollen Qualitätsstandards halten

Geburtshilfe-Station Ärzte wollen Qualitätsstandards halten

Wenn heute Experten im Kreishaus über die Zukunft der Geburtshilfe-Station des DRK-Krankenhauses beraten, wird auch der Personalmangel bei den Fachärzten Thema sein.

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Ein Dankeschön zur Unterschriftenaktion. Auf dem kleinen Foto: Uwe Wagner, Patrick Giffels, Kirsten Renke, Collin Barben und Manfred Hoffmann.
Fotos: Silke Pfeifer-Sternke, Privat

Biedenkopf. Der Erhalt der Geburtshilfe-Station, der zum 31. März 2013 das Aus droht, liegt mehr als 8000 Menschen am Herzen. So viele haben sich laut Jochen Schröder bereits in virtuelle und reelle Unterschriftenlisten eingetragen. Auch die vier Belegärzte Patrick Giffels, Kirsten Renke, Collin Barben und Manfred Hoffmann wollen sich gern weiter einbringen - doch nicht um jeden Preis. Ihr Anliegen ist es, die sehr emotional geführte Diskussion um die Geburtshilfe-Station mit Fakten zu versachlichen. Nicht nur die Vervierfachung der Haftpflichtversicherungsprämien sei der Grund, dass 13 Hebammen gekündigt worden ist. Die Belegärzte fordern eine Strukturänderung ein, um Qualitätsstandards halten zu können. Fakt ist, dass die Geburtshilfe-Station mit sechs Fachärzte ausgestattet sein müsste. Tatsächlich verrichten dort nur vier ihren Dienst.

„Wir sind Vollblutfrauenärzte und Geburtshelfer. In einer Struktur, in der es nicht mehr sicher ist, können wir das nicht mehr verantwortlich betreiben“, erklärt Frauenarzt Manfred Hoffmann. Eine personelle Aufstockung sei unbedingt erforderlich, ergänzt Uwe Wagner, Direktor für Gynäkologie am UKGM (Universitätsklinik Gießen-Marburg), das mit dem DRK-Krankenhaus kooperiert. Entscheidend sei die Frage, wie der Standort weiterentwickelt werden kann. Ihn wirtschaftlich zu betreiben, hält er bei einer Anzahl von 400 Geburten pro Jahr für unrealistisch.

Eine Möglichkeit zum Erhalt der Geburtshilfe-Station sieht der Experte in der Einrichtung einer Hauptabteilung - also in der Abschaffung der bisherigen Struktur. Dies würden auch die Belegärzte begrüßen. „Wir sind bereit, uns dann weiter einzubringen“, sagt Hoffmann.

Das Sterben von Abteilungen mit Belegärzten sei ein überregionales Problem, bestätigt Wagner. Die regionale Versorgung werde vielerorts aufgegeben und es komme zu Zentrenbildungen. Diese Entwicklung wolle das UKGM eigentlich nicht. Die Kooperation mit dem DRK soll deshalb dazu beitragen, die Regelversorgung in der Region aufrecht zu erhalten. Bei Notfällen, die das kleine Krankenhaus nicht leisten könne, sei die Versorgung der Patienten beim Maximalversorger gewährleistet. Und zur Nachsorge könnten die Patienten wieder in ihre Heimatregion verlegt werden, erläutert Wagner das Konzept. Auf diesem Wege partizipiere man gegenseitig voneinander. Die Kooperation besteht seit zehn Jahren und hat sich laut Wagner bewährt. So sind zum Beispiel die Ärzte Patrick Giffels und Kirsten Renke quasi ausgeliehen an die Gemeinschaftspraxis in Biedenkopf. Ihre Verträge mit dem UKGM ruhen, sollte die Kooperation beendet werden, können sie an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren.

Wenn sich das DRK darauf einlässt, sich von dem Belegärztesystem zu verabschieden, wird nur eine Abteilung geschlossen - die Geburtshilfe-Station. Die Gynäkologie bleibt erhalten. Für die vier Fachärzte heißt das, dass sie wieder mehr Zeit für die Patienten haben. Dies halten sie für richtig und sinnvoll.

Die Erhöhung der Haftpflichtversicherungsprämien habe letztlich nur das Fass zum Überlaufen gebracht. Denn die Überbelastung der vier Ärzte durch Nacht- und Bereitschaftsdienste sei seit langem ein Thema.

Nun sei es wichtig, eine tragfähige Lösungen für Biedenkopf zu finden. Vom runden Tisch, an dem heute Verantwortliche aus der Politik, den Krankenhäusern sowie die Belegärzte am Nachmittag im Kreishaus Platz nehmen, erhoffen sich die Geburtshelfer keinen Schnellschuss. Sie wollen zunächst dazu beitragen, alle Fakten zu sammeln und wollen darstellen, unter welchen Voraussetzungen die Geburtshilfe-Station eine langfristige Zukunft haben kann. Abstriche bei der Einhaltung der Standards stehen für sie nicht zur Diskussion.

„Allen Beteiligten muss unbedingt klar sein, wo das eigentliche Problem liegt“, sagt Wagner.

von Silke Pfeifer-Sternke

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