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Adelsgeschlecht gibt Klinik guten Namen

Bad Laasphe Adelsgeschlecht gibt Klinik guten Namen

Das aus Laasphe stammende Adelsgeschlecht Sayn-Wittgenstein-Hohenstein stellt den Namen des Prinzen Botho für die Gesundheitszentrum Wittgenstein GmbH zur Verfügung.

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Die Gesellschafter der „Gesundheitszentrum Wittgenstein GmbH (von links) Chefarzt Dr. Said Moshref, Geschäftsführer Jörg Moses und Professor Dr. Siegfried Bien freuten sich bei der Bekanntgabe des neuen Namens Prinz Botho Kliniken.

Quelle: Gianfranco Fain

Bad Laasphe. „Zu Lebzeiten hätte es mein Mann nicht gut gefunden, wenn die Kliniken in Bad Laasphe seinen Namen getragen hätten. Der Ruf und das Ansehen ist einfach von Jahr zu Jahr negativer geworden. Heute würde sich Prinz Botho freuen, wenn sein guter Name und sein gutes Renommee mit einer Klinik verbunden wären, die Menschlichkeit, gutes Personal und ein Rundum-Wohlfühlen in den Vordergrund stellt“, erklärt die gesundheitlich verhinderte Prinzessin Wittgenstein in einer Mitteilung.

Lange habe die Familie Wittgenstein darüber nachgedacht, ob es angebracht ist, den Namen Wittgenstein und Prinz Botho für ein Projekt herzugeben, dem nur wenige Erfolgschancen eingeräumt wurden. „Heute, nach einem Jahr Gesundheitszentrum Wittgenstein kann ich nur sagen, es war gut und richtig. Dennoch stehen die Macher des Gesundheitszentrums in der Pflicht, diesen Vertrauensvorschuss weiter zu rechtfertigen“, lässt sich die 74-jährige Prinzessin aus Laasphe zitieren.

Dass dies geschehen wird, machte am Freitag Professor Dr. Siegfried Bien deutlich. „Es läuft was und es läuft in die richtige Richtung“, sagte Bien. Der Marburger ist Mehrheitsteilhaber der GmbH, hält sich aber als „spiritus rector“ im Hintergrund und überlässt das operative Geschäft seinen Partnern Chefarzt Dr. Said Moshref, und Geschäftsführer Jörg Moses.

„Wir wollen richtig starten“, verdeutlichte Bien. Dazu wird das Gebäude energetisch saniert, schrittweise umgebaut und zugleich neu gestaltet und so vom „Charme der 60er Jahre“ befreit.

Aktuell entsteht ein öffentlicher Wellness- und Fitness-Bereich, der Mitte Mai fertiggestellt sein soll. Anfang März nahm der Ambulante Pflegedienst seine Arbeit auf und ergänzt den stationären Dienst im „Haus-Life“. Drei Puzzle-Teile des Gesamt-Konzepts für ein Gesundheitszentrum welches Prophylaxe, Pflege, Rehabilitation und Akut-Medizin umfasst. Für Pflege und Akut-Medizin liegen seit Dezember und März die Konzessionen vor, was laut Bien länger als erwartet gedauert habe, demnächst werde mit den Krankenkassen über die Zahl der Belegbetten verhandelt. Insgesamt seien bis zu 320 Betten in den beiden Gebäuden, der ehemaligen Emmaburg und der Schlossbergklinik, vorgesehen, verrät Geschäftsführer Moses.

Zurzeit würden im Haus Life 14 Menschen betreut und ebenso viele Kriegsversehrte aus Libyen. Zu den drei Praxis-Ärzten kommen nächste Woche zwei hinzu, die für das Krankenhaus zuständig sein werden. Sechs Wochen später wird das Team nochmals um drei Ärzte verstärkt, sodass man interdisziplinär arbeiten könne.

Im Juli wird die Klinik-Einweihung mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Weitere Informationen gibt es auf www.prinz-botho-klinik.de.

Hintergrund: Der Namensgeber

Botho Eberhard Ernst August Chlodwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (16. Februar 1927 – 27. Januar 2008) war Laaspher Bürgermeister der Jahre 1959 bis 1969 und als CDU-Mitglied von 1965 bis 1980 Bundestagsabgeordneter. Von 1982 bis 1994 war er Präsident des Deutschen Roten Kreuzes und anschließend dessen Ehrenpräsident und Vorsitzender der Ständigen Kommission des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes in Genf.

Hintergrund: Von den HGC- zu den Prinz Botho Kliniken

Nach der Insolvenz der „Emmaburg“ im Jahr 1999 und der „Schlossbergklinik“ im Jahr 2004 müssen die finanziell angeschlagenen HGC-Kliniken Mitte Dezember 2009 in die vorläufige Insolvenz. Nach Angaben des Geschäftsführers Dr. Dietmar Herberhold war die Rehaeinrichtung „Emmaburg“ gut belegt, die „Schlossbergklinik“ weniger gut, die rund 350 Mitarbeiter warten auf die Löhne für Oktober und November..

März 2010: Ein Sanierungskonzept sah vor, dass Herberhold Gesellschafter bleibt und der Handlungsbevollmächtigte Dr. Holger Thiemann ins Unternehmen einsteigt, ebenso wie ein Managementpartner und die „Median Kliniken“ mit Sitz in Berlin. Die 260 Mitarbeiter sollten in eine Transfergesellschaft übergehen.

Mai 2010: Mit Rainer Räsch, dem Gründer der börsennotierten MediClin AG mit Sitz in Frankfurt/Main steigt ein Geldgeber ein. Die Gläubigerversammlung gibt dem Sanierungs-Konzept einstimmig grünes Licht.

August 2010: Nachdem die Insolvenz per Gerichtsbeschluss aufgehoben wurde, stellen sich die Emmaburg und die Schlossbergklinik mit einem neuen Konzept, Investitionen in Modernisierung unter dem Namen „Laaspher Kliniken“ neu auf.

Dezember 2010: Die „Laaspher Kliniken“ sind insolvent. 250 Mitarbeiter bangen erneut um ihre berufliche Zukunft. Die Geschäftsführung legte nicht, das von einer Bank geforderte externe Immobiliengutachten vor. Somit platzte die Finanzierung und die Befriedigung der Gläubiger.

16. Januar 2011: Die letzten Reha-Patienten verlassen die Emmaburg.

20. Januar: Der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein; Paul Breuer (CDU); und der parteilose Laaspher Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann verkünden: „Es gibt Interessenten für einen Neuanfang“.

11. April: Der Marburger Professor Siegfried Bien, Leiter der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Gießen-Marburg, unterzeichnete für die „Gesundheitszentrum Wittgenstein GmbH, Bad Laasphe“ den Kaufvertrag für die Klinikhäuser. Der GmbH in Gründung gehören auch der frühere Klinik-Chefarzt Dr. Said Moshref und der Geschäftsführer, Diplom-Betriebswirt Jörg Moses, an. Biens Abteilung arbeitete seit 1996 in der Diagnostik mit den Laaspher Kliniken zusammen. Der Einstieg erfolgt als ambulantes Fachärztehaus. Die Anträge dafür waren ebenso gestellt; wie die für die Wiederaufnahme der Pflege und Rehabilitation.

20. April 2012: Das „Gesundheitszentrum Wittgenstein GmbH, Bad Laasphe“ hat die Konzessionen als Akut- und Reha-Einrichtung erhalten und firmiert nun als Prinz Botho Kliniken. Namensgeber ist der im Januar 2008 gestorbene ehemalige Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein.

von Gianfranco Fain

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