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Hinterland Abwrackprämie war Retter in der Not
Landkreis Hinterland Abwrackprämie war Retter in der Not
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19:55 09.12.2010
Mit diesem netten Gruß verabschiedete im vergangenen Jahr ein Autofahrer sein Fahrzeug zum „Abwracken“. Durch die Umwelt- oder sogenannte Abwrackprämie kam das Kraftfahrzeuggewerbe gut durch die Wirtschaftskrise. Quelle: Katharina Kaufmann

Beltershausen. Mehr als 100 Mitarbeiter, Betriebsinhaber und Innungsmitglieder kamen zur traditionellen Herbstversammlung der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Marburg am Mittwochabend in die Gaststätte Debelius in Beltershausen. Bevor es allerdings das ebenfalls traditionelle Schlachteessen gab, zog der Obermeister der Innung, Ralf Funke, eine Bilanz des ablaufenden Jahres.

Und die fiel überwiegend positiv aus: „Nach einem Jahr, für das viele vermeintliche Autoexperten den Absturz des Kfz-Gewerbes und eine riesige Pleitewelle der Autohäuser und Werkstätten voraus gesagt haben, geht es uns doch heute recht gut“, urteilte Funke. Niemand hätte zu träumen gewagt, dass die Umweltprämie der Bundesregierung ein solcher Erfolg werde. „Sie war ganz einfach ein mittelstandspolitischer Volltreffer und hat weite Teile der Industrie, aber vor allem unsere mittelständischen Kfz-Betriebe vor einem tiefen Einbruch bewahrt“, berichtete der Obermeister. Die wichtigste Nachricht des Abends sei die: Die Pleitewelle ist ausgeblieben.

Derzeit bewege sich der Kraftfahrzeugmarkt im Bereich der normalen Fluktuation der Jahre vor der Krise. „In einem gesättigten Markt wie dem deutschen werden wir uns zukünftig auf ein realistisches Volumen von rund drei Millionen Neufahrzeugen und etwa sechs Millionen Gebrauchtwagen einstellen müssen“, erläuterte Funke an seine Kollegen gewandt: „Mit diesen Zahlen müssen wir klar kommen und werden dies auch, wenn wir professionell und wirtschaftlich agieren.“

Die Quote der Werkstattauslastung sei mit durchschnittlich 82 Prozent in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur um einen Prozent schlechter ausgefallen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Eindringlich warnte Funke jedoch vor der Gewährung von immer neuen Rabatten. Vor allem appellierte er an die Betriebe, die Abgasuntersuchung (AU) und die Hauptuntersuchung (HU) nicht zu Dumpingpreisen zu verramschen: „Bitte nutzen Sie diese uns übertragenen hoheitlichen Aufgaben nicht als Marketinginstrument, um Ihre Werkstätten zu füllen.“

Kritisch äußerte sich nach zwei Vorträgen von Mitarbeitern des Landesverbandes Hessen des Kfz-Gewerbes Dieter Stallberg zum Thema Ausbildung. Derzeit gibt es 45 Lehrlinge. Der Lehrlingswart erklärte, er habe festgestellt, dass „wir nicht mehr in der Lage sind, qualitativ hochwertige Leute zu finden, die wir in Ausbildung bringen können“. Zu groß seien die Defizite, die die Schulabgänger mittlerweile mitbringen würden. Das liege nicht unbedingt an den Schülern, sondern auch an den Lehrern und am Bildungssystem. „Studium ist süßes Gift für unsere potenziellen Auszubildenden“, so Stallberg.

von Katharina Kaufmann

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