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Ab Montag steht das Kassenband still

Cappel Ab Montag steht das Kassenband still

Am Samstag (28.8.) quakt der Frosch in der Eingangstür des Sparmarktes in Cappel zum letzten Mal. Ab Samstagmittag schweigt er für immer. Denn der Laden wird wegen starker Umsatzrückgänge geschlossen.

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Zum letzten Mal sitzt Stefan Mootz (rechts) morgen an der Kasse des Sparmarktes in Cappel. Ab Montag ist der Laden wegen zu großer Umsatzrückgänge geschlossen.

Quelle: Katharina Kaufmann

Cappel. Der Frosch in der Eingangstür quakt dreimal, als Hans Wissebach den Sparmarkt in Cappel mit langsamen Schritten betritt. Sein Blick fällt auf das frische Obst und Gemüse, das direkt hinter den Zeitschriften liegt. Langsam geht er durch den Laden, nimmt hier etwas aus dem Regal und dort etwas aus der Theke, schaut es sich bedächtig an und legt es schließlich in den Einkaufskorb.

Wissebach ist 81 Jahre alt und nicht mehr der fitteste. Allerdings, und das sieht der Rentner aus dem Marburger Stadtteil Cappel als eine seiner Freiheiten an, geht er regelmäßig selbst einkaufen. Ab nächsten Montag wird er sich dabei quälen müssen, denn der rund 130 Quadratmeter großer Tante-Emma-Laden mitten im Cappeler Wohngebiet, schließt. „Es ist eine Schande, dass der Laden dicht machen muss“, empört sich Wissebach. Nun sei er gezwungen mit dem Bus zu fahren, und dass sei für ihn, einen Schwerbehinderten, ein körperlicher und geistiger Kraftakt.

Es sind vor allem die älteren Einwohner Cappels, die im Sparmarkt von Regina Böhm und Stefan Mootz ihre Lebensmittel einkaufen. Ab Montag müssen sie dafür weitere Wege in Kauf nehmen, denn wegen starker Umsatzrückgänge in den vergangenen Monaten haben Böhm und Mootz beschlossen, den Markt zu schließen. „Es rentiert sich einfach nicht mehr“, erklärt Stefan Mootz. Seit neun Jahren seien er und seine Lebensgefährtin Inhaber des Ladens „und acht Jahre lang haben wir immer das gleiche Umsatzniveau gehabt“, ergänzt er. Mit der Eröffnung des Lidl-Marktes habe sich das schlagartig geändert: „Von einem auf den anderen Tag haben wir einen Einbruch von 20 Prozent verzeichnet“, berichtet er. Nun bliebe ihm nichts anderes übrig als zu schließen und sich ganz auf seinen zweiten Laden in Niederwalgern zu konzentrieren.

von Katharina Kaufmann

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