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Hinterland 51-Jähriger schlägt mit einer Axt auf seinen Freund ein
Landkreis Hinterland 51-Jähriger schlägt mit einer Axt auf seinen Freund ein
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19:42 14.05.2012
Biedenkopf

In der etwa zweistündigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Biedenkopf rang der 51-Jährige ständig um Fassung und brach immer wieder in Tränen aus. Zu der Tat, die sich der Hinterländer heute beim besten Willen nicht erklären könne, habe ihn am 5. Januar ein Cocktail aus Medikamenten und Alkohol veranlasst.

Oberamtsanwalt Jürgen Noll von der Staatsanwaltschaft Marburg warf dem Angeklagten vor, dass dieser zunächst telefonisch seinen Freund genötigt habe, ihm die geliehenen 50 Euro herauszugeben und sich dann mit einer Axt zu dessen Wohnung begab. Dort sei es zu einem Streit gekommen, in dessen Folge der 30-jährige Freund zu Boden stürzte, wo der Angeklagte ihm Tritte in die Wade und Genitalien sowie den Oberkörper versetzte. Die Situation habe sich anschließend im Hausflur gefährlich zugespitzt, wo der Angeklagte mit der Axt in Kopfhöhe des Freundes in die Wand geschlagen habe.

Gegenüber Richter Mirko Schulte erklärte der Angeklagte: Nach dem Genuss von Jägermeister habe es bei ihm „klack“ gemacht. Er könne sich heute nicht mehr erklären, was ihn zu dieser Tat veranlasst habe, an die er keine Erinnerungen mehr habe - auch nicht daran, was die Polizei von ihm wollte, die später sein Haus umstellte.

Er habe sich bei seinem Freund entschuldigt und dieser habe die Anzeige zurückgezogen. Nicht verständlich waren für Schulte die vielen SMS, in denen der Angeklagte seinem Freund androhte, obszöne Handlungen an dessen schwangerer Freundin vorzunehmen, ihr das Kind aus dem Bauch herauszutreten, für das er die Patenschaft übernehmen solle.

Noll hatte Mühe, dem 51-Jährigen dessen Blackout „abzukaufen“, zumal dieser bei seiner Vernehmung am 6. Januar sehr detaillierte Angaben über die Tat gemacht habe. Schulte, der die 13 Vorstrafen des Angeklagten beleuchtete, erkannte ein schablonenhaftes Verhalten und sah Anhaltspunkte für eine mittelschwere Depression.

Der 30-Jährige sagte aus, dass sich beide wieder versöhnt hätten. Am besagten Tag habe der Angeklagte mit der Axt herumgefuchtelt und sei in einem Zustand gewesen, wie er ihn noch nie zuvor gesehen habe. Im Gerichtssaal stellte der Zeuge die Szene des Axtschlages nach. Wenn er sich nicht weggeduckt hätte, wäre ihm der Schädel gespalten worden, erklärte er. Er habe dem Tod ins Auge geblickt, mutmaßte der junge Mann.

Da der Zeuge seinen Strafantrag zurückgezogen hatte, erklärte Noll den Hausfriedensbruches für hinfällig, sah jedoch ein selten massives Vorgehen des Angeklagten, zumal dieser mit Stahlkappenschuhen auf sein Opfer eintrat. Noll forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe, von einem Jahr ausgesetzt zur Bewährung auf vier Jahre sowie eine Geldbuße von 1000 Euro, die Inanspruchnahme einer psychiatrischen Behandlung sowie den Verzicht auf Alkohol.

Schulte verurteilte den 51-Jährigen wegen versuchter Nötigung, gefährlicher Körperverletzung bei verminderter Schuldfähigkeit in einer Krisensituation zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre, die Beratung eines Bewährungshelfers für ein Jahr, Alkoholverzicht für sechs Monate und eine psychiatrische Diagnostik mit zehn Behandlungseinheiten.

von Helga Peter