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Hinterland 5 000 Kilometer auf dem Tretroller
Landkreis Hinterland 5 000 Kilometer auf dem Tretroller
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00:18 07.02.2019
Vor der Kulisse des Silbersees zeigt der Dejan Kovacevic, wie er sich in den nächsten Wochen quer durch die USA fortbewegen wird: auf seinem Tretroller. Foto: Sascha Valentin Quelle: Sascha Valentin
Kleingladenbach

Innerhalb von vier Wochen will Dejan Kovacevic 5 000 Kilometer einmal quer durch die USA fahren. Von Ost nach West. Von Miami nach Los Angeles. Auf einem Tretroller. Die Idee dazu habe er schon auf der Heimfahrt von der Zugspitze gehabt, verrät Kovacevic. „Da hatte ich am Straßenrand zwei Kinder mit Tretrollern gesehen, und weil es schon immer ein Traum von mir war, entweder die Chinesische Mauer oder einmal quer durch die USA zu fahren, habe ich einfach beides zusammengebracht“, grinst er. Kaum zu Hause angekommen, hat er sich darangemacht, diesem Traum konkrete Züge zu verleihen.

Mithilfe eines ortsansässigen Unternehmens organisierte er sich zwei Tretroller, mit denen er seit knapp zwei Wochen trainiert. Wer denkt, dass das Fahren auf den Rollern gemütlicher ist, als zu laufen, irrt gewaltig. „Bei der ersten Fahrt war ich kurz hinter Quotshausen schon kaputt“, gibt Kovacevic zu, der bei seinem Zugspitzlauf täglich mehr als 100 Kilometer zurücklegte. Das Fahren auf den Rollern strenge wesentlich mehr an – auch, weil teilweise andere Muskeln beansprucht werden, als beim Laufen.

Rückblick

Der 600-Kilometer-Lauf von Kleingladenbach bis zur Zugspitze vergangenes Jahr war die bislang größte Herausforderung für Dejan Kovacevic. Und das will was heißen, nahm der Kleingladenbacher doch schon an diversen Extremhindernisläufen wie dem „Tough Guy“-Rennen in England oder dem „Charity Run Ederlake“ mit 100 Kilometern an einem Tag teil. „Teilweise waren wir bis zur totalen Erschöpfung unterwegs, sind gelaufen von
drei Uhr nachts bis um 20 Uhr am Abend“, berichten die beiden nach ihrer Heimkehr. Gerade zu Beginn der Mammut-Tour habe jeder Muskel in seinem Körper gebrannt und der Kopf mehr als einmal rebelliert, mit dem Quatsch aufzuhören. „Aber das kam für uns nicht infrage“, sagte Kovacevic vergangenes Jahr nach dem Lauf zur Zugspitze.

Dabei sieht sein Plan vor, dass er pro Tag etwa 100 Meilen, also rund 160 Kilometer zurücklegen muss. Außerdem muss er bei der Tour durch acht Bundesstaaten 15 000 Höhenmeter überwinden und „gerade bergauf ist mit den Dingern echt ­eine Qual“, sagt Kovacevic. Von Gegenwind gar nicht zu reden. „Auf dem Radweg bei Kombach hat es mal so geblasen, dass ich nicht vorwärtsgekommen bin“, erzählt er.

Von morgens sechs bis abends 20 Uhr muss Kovacevic unterwegs sein, wenn er sein selbstgestecktes Ziel erreichen will. Am meisten Angst machen ihm aber weder das Wetter, noch die Anstrengungen. Vielmehr sind es die Autofahrer in Amerika, die ihm Sorgen bereiten. Kürzlich sei ihm bei einem Besuch in den Staaten wieder aufgefallen, wie wenig rücksichtsvoll dort gefahren werde. „Oft sitzen sie mit dem Handy am Steuer und schreiben SMS, ohne zu gucken, wo sie hinfahren“, sagt Kovacevic. Eine Freundin aus den USA hat ihm deswegen geraten, sich auf jeden Fall auffällig zu kleiden – am besten mit leuchtenden Klamotten und Blinklicht auf dem Kopf.

Ein Ansporn wird Kovacevic­ auf jeden Fall die gute Sache sein, für die er sich bei seinem neuen Projekt ins Zeug legt. Wie bereits bei seinem Lauf zum Edersee will er auch mit dem Trip durch die USA Geld für kranke Kinder sammeln. Deswegen hat er bereits Kontakt zu der St. Baldrick‘s Founda­tion aufgenommen, die Geld für krebskranke Kinder sammelt. In den Staaten ist die Organisation vor allem aufgrund ihrer „Headshaving“-Aktion bekannt. Unzählige Prominente ließen sich in den vergangenen knapp 15 Jahren bereits den Kopf für den guten Zweck kahl rasieren.

Rekord steht bei 3 800 Kilometern

„Natürlich können auch die Menschen in Deutschland spenden“, sagt Kovacevic. In diesem Falle gehen die Spenden an die Hilfe für krebskranke Kinder mit Sitz in Frankfurt – einer Schwester-Organisation der St. Baldrick‘s Foundation. Kovacevic hofft dabei auf einen ähnlichen Erfolg wie bei seinem Ederseelauf, bei dem am Ende 17 000 Euro zusammenkamen.

Doch da gibt es noch eine Kleinigkeit, die ihn sicherlich anspornen wird, weiterzumachen, auch wenn die Kräfte immer mehr schwinden: Der Tretroller-Trip ist bei Guinness World Records offiziell als Weltrekord-Versuch angemeldet. „Den bisherigen Weltrekord hält eine Frau, die 3 800 Kilometer von Schweden bis zur Straße von ­Gibraltar gefahren ist“, weiß ­Kovacevic. Das würde er mit der Fahrt von Miami nach Los Angeles locker toppen.

Offen ist jedoch, ob er dabei auch auf die Unterstützung seines Kumpels Patrick Oswald zählen kann, der ihn schon zur Zugspitze begleitete (siehe Kasten). „Sich vier Wochen freinehmen – das geht halt in der Regel nicht“, gibt Kovacevic zu. Ihm selbst ist das nur möglich, weil er nach dem Ende von Johnson Controls in Friedensdorf, wo er arbeitete, noch bis Ende März freigestellt ist.

Außerdem bedarf ein solches Projekt vieler Sponsoren, die ­etwa die Flüge, Material und Verpflegung bezahlen. „Deswegen muss es ja im Februar hinhauen“, weiß der Extremläufer. Freunde aus Kleingladenbach haben bereits zugesagt, ihn zumindest auf der letzten Etappe zu unterstützen – dann, wenn er es konditionell am nötigsten haben wird. „Aber es ist schon was anderes, wenn man zu zweit läuft. Da vergeht die Zeit viel schneller, als wenn man alleine unterwegs ist“, sagt Kovacevic. So oder so werde es auf jeden Fall seine bislang größte Herausforderung und vielleicht schönste Erfahrung.

Und an der wird er nach seiner Heimkehr auch die interessierten Hinterländer teilhaben lassen. Am 27. März ist ­Dejan Kovacevic der Referent beim zweiten Campus-Gespräch des Landkreises am THM-Standort in Biedenkopf. In seinem Vortrag soll es um Motivation gehen – und davon kann der Kleingladenbacher mehr als nur ein Liedchen singen.