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100 Experten und 86 gute Vorschläge

Business-Talk 100 Experten und 86 gute Vorschläge

Es besteht Handlungsbedarf auf dem Arbeitsmarkt: der Mangel an Fachkräften hinterlässt auch in Hessen Spuren. Mögliche Lösungsvorschläge für die Zukunft wurden nun in Marburg diskutiert.

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Dr. Frank Martin, Leiter der „Fachkräftekommission Hessen“, stellt beim Business-Talk die Ergebnisse seines Gremiums vor.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Der Mangel an Fachkräften ist auch für hessische Arbeitgeber ein Problem. Was ist zu tun, um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken? Diese Frage stellte sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und rief im Jahr 2011 die „Fachkräftekommission Hessen“ ins Leben, die Strategien und Lösungsvorschläge erarbeiten sollte. Der Vorsitzende dieser Kommission, Dr. Frank Martin, stellte nun den Abschlussbericht in den Räumlichkeiten der Agentur für Arbeit in Marburg vor. Das fertige Dokument ist 50 Seiten stark und beinhaltet 86 Handlungsvorschläge.

„Etwa 100 Experten sind zu Wort gekommen“, sagte Martin und ging zunächst auf den demographischen Wandel ein, von dem insbesondere Mittel- und Nordhessen in den kommenden Jahrzehnten betroffen sei: „Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird bis 2030 um zehn bis 15 Prozent sinken. Somit werden 300.000 bis 400.000 Personen weniger für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.“ Vor dem Hintergrund dieses negativen Ausblicks hat die Kommission mehrere Handlungsempfehlungen ausgesprochen, so Martin.

Familienverträglichkeit der Arbeitsplätze ist wichtig

Ein erster Punkt beschäftigt sich mit dem Übergang für Jugendliche von der Schule in das Berufsleben. Ein Problem bestehe in diesem Zusammenhang durch die Übergangssysteme aus beruflichen Schulen und staatlichen Fördermaßnahmen. „Diese Übergangssysteme sollen in Zukunft nur für diejenigen ohne fertigen Schulabschluss und angehende Studenten offen bleiben“, erklärt Martin ein Ziel. Weiterhin müsse es gelingen den Teil der Personen ohne Hauptschulabschluss auf drei Prozent zu senken.

Als weiteres Schwerpunktthema befasste sich die Kommission mit der Frage, wie Beruf und Familie besser zu vereinbaren sind. Besonders Frauen seien hier betroffen, sagte Martin: „Die Wahrscheinlichkeit für Frauen auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein, ist nicht gut. Dabei konzentrieren sich 44 Prozent der Arbeitnehmerinnen auf gerade einmal fünf verschiedene Berufsgruppen“. Die Rückkehr nach einer beruflichen Unterbrechung müsse für Frauen verbessert werden, sagte Martin und verdeutlicht: „Würde es gelingen, die Erwerbstätigkeit bei Frauen nur um fünf Prozent zu steigern, so stünden gleich 400000 zusätzliche Fachkräfte zur Verfügung“.

Kinderbetreuung verbessern

Handlungsbedarf sieht die Kommission auch auf dem Feld der Kinderbetreuung. „Das Angebot muss nicht nur auf dem U3-Sektor verbessert werden, sondern auch für ältere Kinder“, sagte Martin, der sich für mehr Ganztagsangebote ausspricht, die aus volkswirtschaftlicher Sicht dringend erforderlich seien. Weiterhin schlägt das Fachgremium ein finanzielles Anreizsystem für die Unternehmen vor, wenn diese Menschen mit Behinderung beschäftigen.

In diesem Punkt - genau wie bei der Weiterbildung von Migranten und Randgruppen - liege ein Großteil der Verantwortung bei den Arbeitgebern, erklärte Martin.

Ein besonderes Augenmerk legte die Kommission auf die Bindung der ausländischen Arbeitskräfte. „In Hessen haben wir derzeit 27500 ausländische Studenten. Jedes legen 3000 einen Abschluss an einer hiesigen Hochschule ab, aber nur 700 bis 800 bleiben dann auch hier“, berichtete Martin. Es sei zwingend notwendig diese qualifizierten Arbeitskräfte zu binden. „Dazu gehört auch eine entsprechende Willkommenskultur“, so Martin. Neue Anlaufstellen und Internetseiten, die Hilfe und Orientierung für ausländische Fachkräfte bieten, sind sinnvoll“. Im Bereich der Integration von Migranten sei es dringend erforderlich, die frühkindliche Sprachförderung weiter zu stärken. „Schon ab dem dritten Lebensjahr muss diese Förderung erfolgen“, sagt Martin. Im Anschluss an seine Vortrag diskutierten die anwesenden Arbeitgeber und Personalentscheider über weitere Möglichkeiten der Arbeitskräftesicherung.

von Dennis Siepmann

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