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Landkreis "Harter Kern" gegen die Kernkraft
Landkreis "Harter Kern" gegen die Kernkraft
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06:15 15.03.2012
Der Protestzug für den Ausstieg aus der Atomenergie führte am Montag durch die Innenstadt bis zum Marburger Marktplatz. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Marburg. Wie vor einem Jahr versammelten sich auch am Montag wieder Demonstranten anlässlich des "Montagsspaziergangs" in der Marburger Innenstadt am Elisabeth-Blochmann-Platz. Ein Jahr nach der Katastrophe in dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima gehen den Teilnehmern der Demo die Konsequenzen, die die verantwortlichen Politiker in Deutschland daraus gezogen haben, immer noch nicht weit genug. Auf Spruchbändern und Plakaten waren die Ziele der Demonstranten zu lesen: "AKW‘s abschalten - jetzt überall Verstand einschalten": So lautete eine der Parolen.

Vor einem Jahr waren unter dem Eindruck der Fernsehbilder teilweise mehr als 1.000 Teilnehmer zu den Marburger Montagsspaziergängen gekommen, die Teil einer bundesweiten Protestbewegung bildete.

Damit knüpften die Demonstranten an die große Zeit der Anti-Atom-Bewegung aus den 70er und 80er Jahren an. Auch die Symbole der Bewegung wie der "Atomkraft - Nein Danke"-Sticker feierten aus Anlass der Fukushima-Kundgebung ein vorher kaum für möglich gehaltenes Revival.

Am Montag kam nun der "harte Kern" der Marburger Anti-Atom-Aktivisten beim Montagsspaziergang zusammen. Die meisten von ihnen hatten schon zu denen gehört, die auch vor einem Jahr protestiert hatten. "Es gibt jetzt die Montagsspaziergänge konti­nuierlich seit November 2010", sagte Dorothea Pfaff bei einer Auftakt-Kundgebung auf dem Blochmann-Platz. "Wir gehen jeden Montag gegen Atomkraft die Straße". Zwischenzeitlich seien es aber regelmäßig nur sehr wenige gewesen, die an dem Montagsspaziergang teilgenommen hatten. "Aber wir müssen uns wohl leider wahrscheinlich noch lange regelmäßig jeden Montag treffen. Wir brauchen einen langen Atem", sagte Pfaff. Den "halbherzigen Atomausstieg" durch die Bundesregierung im vergangenen Sommer angesichts der Ereignisse von Fukushima wertete die Rednerin als nicht akzeptable "Beruhigungspille". Anschließend setzten sich die Demonstranten Richtung Marktplatz in Bewegung und skandierten die Parole "Abschalten - und für immer, und zwar alle und zwar jetzt".

Auf dem Marktplatz sagte Gunter Kramp vom "Anti-Atom-Plenum", dass die Menschen in Japan voraussichtlich noch mehrere Generationen lang an den Folgen der radioaktiven Verseuchung nach dem Unglück im Atomkraftwerk von Fukushima leiden müssten. Doch allen Schreckensnachrichten aus Japan zum Trotz gebe es auch positive Meldungen: Dazu zählte Kramp das Erstarken der Anti-Atom-Bewegung in Japan.

Der durch Fukushima angestoßene "Sofortausstieg von unten" aus der Atomenergie habe unter anderem dazu geführt, dass der Stromverbrauch in Japan um 20 Prozent gesenkt worden sei. Das Beispiel aus Japan müsse nun auch in Deutschland Schule machen. "Wir können und müssen auch in Deutschland sofort alle Atomkraftwerke abschalten", forderte Kramp.

von Manfred Hitzeroth