Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Landkreis Frisch geschärft ist halb gemäht
Landkreis Frisch geschärft ist halb gemäht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:07 06.07.2010
Sense und Heugabel gehören elementar zusammen. Foto: www.pixelio.de Quelle: Lutz Schneider

Marburg. Es ist warm, es ist Sommer. Da wirft der Hobbygärtner seinen Elektrorasenmäher an und mäht die 400 Quadratmeter Rasen hinterm Haus. Danach muss er sich erst einmal bei einem Bier von der Arbeit erholen. Ganz anders der Bauer. Der mäht weitaus größere Flächen mit dem Mähwerk am Traktor. Große Hitze und große Anstrengung. Aber im Vergleich zur handwerklichen Anstrengung früherer Jahrhunderte vergleichsweise entspannt. Vor der Erfindung der motorgetriebenen Maschinen in Landwirtschaft und Hobby war nämlich auch das Mähen reine Handarbeit. Dazu brauchte man zunächst einmal die Sense - in Cappel auch "Seist", wie Reinhold Naumann schreibt. Damit die scharf blieb, waren noch ein Wetzstein und das "Schlorrerfass" vonnöten. Diesen wunderschönen Begriff hat die Frauenhilfe Münchhausen ausgegraben und auch gleich erklärt: "Das Schlorrerfass war ein Kuhhorn. Gans oben am Rand wurde ein kleines Loch gebohrt und mit einem Seilchen am Hosenbund befestigt. In das Kuhhorn wurde etwas Wasser eingefüllt, das man beim Mähen mit der Sense benötigte. Der Wetzstein wurde ins Wasser getaucht, dann wurde die Sense geschärft und schnitt das Gras wieder besser ab."

Es ist kalt, es ist Winter, die Zeit zum Schlachten. So war's zumindest früher. Im Sommer wurde nicht geschlachtet, weil das Fleisch durch die Hitze sehr schnell verdorben wäre - und Kühlhäuser oder Gefriertruhen gab es nicht. Aber Haltbarmachen, das gab's schon. Zum Beispiel im "Solberbettche" - auch von der Frauenhilfe Münchhausen eingeschickt. Das Solberbettche war ein rundes oder ovales Holzfass, in dem im Winter nach dem Schlachten Schweinefüße, Knochen und Eisbein in einer kräftigen Salzlauge aufbewahrt wurden, also eingepökelt wurden. Das Wort Solber oder Solper ist vermutlich von dem in der Pökellauge enthaltenen Salpeter abgeleitet und bedeutet wörtlich "Salzlauge". Es gibt aber einige Abwandlungen, denn im übertragenen Sinn wird Solper nicht immer positiv verwendet, sondern kann auch "Dreckbrühe" bedeuten. Und wenn man in der Eifel sagt, "dä lejt noch em Solper", dann schläft er zu lange - er liegt noch im Bett.

Neben dem Pökeln gab es noch das Einkochen und das Räuchern zum Haltbarmachen. Fleisch wurde oft gebraten und dann in den Gläsern der Firma "Weck" eingekocht, also eingeweckt. Und Wurst wurde im "Räächerkämmerche" geräuchert.

Haben Sie jetzt Hunger? Oder fallen Ihnen auch noch ein paar Wörter aus dem Dialekt ein, die Sie uns schicken wollen? Dann schreiben Sie unter dem Stichwort "Mir schwätze Platt" eine E-Mail an online@op-marburg.de oder schicken einen Brief an die OP, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg.

von Gabriele Neumann

"Ossel", "Fuß" und "Buckel": Manchmal bezeichnet ein kleines Körperteil mehr als nur sich selbst. Diesmal geht es in der Dialektserie "Mir schwätze Platt" um genau solche Wörter.

24.06.2010

Bisher ging es in der Serie "mir schwätze platt" ja oft um Sprachgeschichte, also um Wörter, die im Dialekt ein längeres Haltbarkeitsdatum haben als in der Standardsprache. Es geht aber auch anders.

14.06.2010

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Jeder, wenn man nur lange genug auf ihn einredet. Wenn der "Booratz" oder die "Steemeanner" am Abend auf der Straße lauern, dann macht das mehr Eindruck als wenn Mama nur sagt, man soll pünktlich zu Hause sein.

09.06.2010