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Landkreis Landwirte setzen auf Soforthilfen
Landkreis Landwirte setzen auf Soforthilfen
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00:18 24.08.2018
Ein trockenes Maisfeld bei Marburg.  Quelle: Freya Altmüller
Wollmar

Anhaltender Sonnenschein zum Ernten – Landwirtherz, was willst du mehr? – Nun in diesem Jahr war es des Guten zu viel, der wochenlang ausbleibende Regen und die damit einhergehende Trockenheit und Dürre macht allen Landwirten zu schaffen, denn wenn es massiv an Getreide, Heu und Mais fehlt, bricht auch die Futterversorgung für das Vieh zusammen von den Kühen bis hin zu den Hühnern.

Eins hängt mit dem anderen zusammen. Kaum ein Landwirt, der jetzt nicht die Auswirkungen der Dürre spürt. Wer ein Futterengpass hat und deshalb kurzfristig seine Herde verkleinern will, steht vor dem Schlachthof vor verschlossener Tür. „Viele Schlachthöfe sind überfüllt, nehmen nichts mehr an“, sagt Burkhardt Smolka aus Hatzfeld bei einer Zusammenkunft auf dem Geflügelhof Engelbach in Wollmar.

orthin hat die Kreisbauernverbandsvorsitzende Karin Lölkes kurzfristig den hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer eingeladen, um ihn die Sorgen und Nöte sowie die Erwartungshaltung in Sachen finanzieller Hilfen hiesiger Landwirte näherzubringen.

Mit dabei war auch Kreislandwirt Frank Staubitz. Dieser freute sich, dass Landrätin Kirsten Fründt ihre beim Erntegespräch auf dem Hof Kraft in Reimershausen Anfang des Monats gemachte Zusage über ein Gespräch mit dem Veterinäramt zügig einlöste, wie noch zusätzliches Futter für die Tiere generiert werden kann.

Dabei informierte er auch darüber, dass in diesem Jahr die Zuckerrübenblätter als Viehfutter dienen werden.
Dann stellten Landwirte ihre Ernteausfälle vor. Stephan Lölkes, der bei Mellnau den Bioenergiehof vor den Tannen betreibt und Lohnunternehmer ist, sagt, dass beim Mais 40 Prozent weniger Ertrag zu erwarten ist, beim Getreide und Weizen waren es jeweils 20 Prozent.

Landwirte benennen
 ihre Ernteausfälle

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das wirtschaftlich bedeutet, nennt er Summen. Beim Getreide fehlen ihm 15 000 Euro und beim Mais 25 000 Euro, die er nun kompensieren muss für die anstehenden Einkäufe. Auch Manfred und Martina Engelbach, die einen Hof mit 27 000 Legehennen in Wollmar betreiben setzen jetzt auf Soforthilfen.

„Bei der Wintergerste hatten wir einen Ertrag von 56,7 Doppelzentner, im Vorjahr waren es 83, beim Weizen 69,2 Doppelzentner im Vorjahr warenes 78.“ Und auch schon beim Raps war die Ernte geringer: 33 Doppelzentner wurden erreicht, 2017 waren es sieben mehr.

Der Zukauf ist für die Engelbachs alles andere als leicht, zumal die Getreidepreise schon um 25 Prozent gestiegen sind. Schäfer hörte geduldig und aufmerksam zu und versprach seine Eindrücke in die Diskussion um die Gewährung von Soforthilfen mit einzubringen.

Karin Lölkes findet, dass man den Landwirten Vertrauen entgegenbringen solle. „Jeder von uns führt doch Buch über seine Erträge. Daraus lässt sich leicht ersehen, wie viel jeder an Soforthilfe, also als Vorauszahlung benötigt, um das alles finanzieren zu können, was jetzt für gewöhnlich ansteht.“

Kein Gras vom Wegesrand

Sie kann sich nicht vorstellen, dass hier jemand zu seinen Gunsten falsche Angaben macht, zumal die Zahlen im Nachgang sicher noch einmal geprüft werden.

Was die Gewinnung zusätzlichen Futters für das Vieh angeht, müssen die Landwirte auf die Grünflächen am Wegesrand verzichten. Nicht nur, dass natürlich auch dort das Gras vertrocknet und keineswegs hoch gewachsen ist, es ist auch zu sehr von Hundekot durchsetzt. „Das können wir den Tieren nicht antun“, sagt Lölkes.

Agrarbundesministerin Julia Klöckner (CDU) will am Mittwoch entscheiden, ob es sich bei der Dürre um einen nationalen Notstand handelt und Bundeshilfen gewährt werden können.

Abgesehen von den aktuellen Nöten sieht Lölkes auf die Landwirte in Münchhausen und Umgebung spannende Jahre zukommen. „Im Zuge des Neubaus der B 252 haben wir über die Flurbereinigung die einmalige Chance, dass Wege und Brücken so gebaut werden, wie wir sie für die Feldbearbeitung benötigen.“     

von Götz Schaub