Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Ziel mit 20: Bundestagsabgeordnete

Ingrid Arndt-Brauer Ziel mit 20: Bundestagsabgeordnete

Ingrid Arndt-Brauer sitzt für die SPD im Bundestag in Berlin. Die gebürtige Marburgerin wuchs in Wetter im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf. Heute lebt sie im Kreis Steinfurt im Münsterland.

Voriger Artikel
Geerdete Kunstkritikerin: Verena Kuni
Nächster Artikel
Im Sport viel fürs Leben gelernt

Sie hat einen prominenten „Boss“: Ingrid Arndt-Brauer mit dem neuen SPD-Frontmann Sigmar Gabriel, der auch schon über Bundesminister-Erfahrung verfügt.

Quelle: Privatfoto

Wetter . Ja, ja, der liebe Sören Bartol. Der sitzt ja bekanntermaßen wieder für „uns“, also für uns Menschen in und um Marburg, im Bundestag in Berlin. Dabei ist der gar nicht von hier. Der Sören Bartol – hätten Sie‘s gewusst – kommt in Wirklichkeit aus der Hansestadt Hamburg. Aber soll man‘s glauben, es gibt in Berlin doch tatsächlich eine Abgeordnete, die von hier ist. Sie sitzt wie Sören Bartol im Block der Sozialdemokraten, und dies auch schon zum wiederholten Mal. Da darf man schon mal staunen. Wer hat es denn von hier so weit gebracht? Nun, eine, die es schon mit 20 vorhatte, Mitglied des Deutschen Bundestags zu werden.

Die Rede ist von Ingrid Arndt-Brauer. 1961 in Marburg geboren, wuchs sie in der Nordkreis-Stadt Wetter auf, besuchte dort die Gesamtschule und später in Marburg das Gymnasium Philippinum. Es schloss sich ein Studium der Betriebswirtschaftslehre und Soziologie an der hiesigen Philipps-Universität an. Also damit ist Ingrid Arndt-Brauer ganz sicher als „Eine von hier“ qualifiziert. 1985 und 1986 saß sie sogar im Stadtparlament von Wetter. „Heute mag das nach nichts Besonderes klingen“, sagt sie, doch damals war es schon etwas Besonderes.

Ganze zwei Frauen wagten es, bei der Kommunalwahl für die SPD zu kandidieren. So etwas wie eine Frauenquote gab es noch nicht, und überhaupt war noch alles so ziemlich in der Hand des starken Geschlechts. Da war es schon eine Sensation, dass eine 24-Jährige auf Listenplatz 10 stand. Vielleicht war es ein Zugeständnis, weil ihr Vater bereits für die damalige Flüchtlings- und Vertriebenenpartei im Stadtparlament wie auch im Magistrat gesessen hatte. „Es war jedenfalls sehr schwierig damals, sich zu behaupten“, erinnert sich Ingrid Arndt-Brauer. Dabei hatte sie zum damaligen Zeitpunkt schon längst eine Vorstellung davon, wohin sie das Leben tragen sollte. „Ja, ich habe mit 20 Jahren eine Standortbestimmung unternommen und mir drei persönliche Ziele gesetzt. Ich wollte einmal im Leben einen Marathon laufen, Bundestagsabgeordnete werden und meine Doktor-Arbeit schreiben“, fasst sie knapp zusammen. Zwei der drei Vorhaben lagen ganz in ihrer Hand, und so kann sie mittlerweile hinter dem Marathon einen Haken machen. „Allerdings bin ich den erst mit 45 Jahren gelaufen“, konkretisiert sie. Sie hat sehr dafür trainiert und ist dann auch unter fünf Stunden geblieben. „Eine Leistung, für die ich von meiner ganzen Familie bewundert wurde“, sagt sie und ergänzt:

„Ein zweites Mal muss ich so einen Lauf allerdings nicht mehr haben.“ Es sei jedoch eine sehr interessante Erfahrung gewesen, den Körper einmal bis an seine Grenzen der Belastbarkeit geführt zu haben. Das zweite Vorhaben, das ganz in ihrer Hand lag, liegt noch da: die Doktorarbeit.

„Ich will sie noch schreiben“, sagt sie entschieden, doch weiß sie auch, dass es weniger am Willen als an der dafür notwendigen Zeit liegt, denn Ingrid Arndt-Brauer hatte auch ein zeitaufwändiges Familienleben mit vier Kindern zu bewältigen. Tja, und ihr drittes Vorhaben, was so ganz und gar nicht in ihrer Hand, sondern in der der Wählerschaft lag, setzte sie auch schon um: Bundestagsabgeordnete. Das ist umso erstaunlicher, da sie mit ihrer Familie in die Fremde, zuerst nach Würzburg, dann in den Kreis Steinfurt im Münsterland zog, wo sie sich nicht nur politisch erst einmal bekannt machen musste. Nun, es klappte.

Wenn sie auch 1999 erst als Nachrückerin für die doch recht prominente Ingrid Matthäus-Maier in den Bundestag kam, zeigte sie sofort, dass diese Herausforderung für sie eine Erfüllung ist. „Sicher sitze ich nicht in der ersten Reihe, aber darum geht es auch nicht. Ich versuche meistens bei den Sitzungen des Bundestages dabei zu sein, um auch deutlich zu machen, dass ich die Aufgabe ernst nehme“, sagt sie.

Deshalb engagiert sie sich auch als ordentliches Mitglied im Finanzausschuss und als stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss. Darüber hinaus ist sie Sprecherin der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied des Vorstands der SPD-Bundestagsfraktion.

„Die Aufgaben machen mir sehr viel Spaß, auch wenn ich sagen muss, dass Regieren schöner ist als Oppositionsarbeit“, bekennt sie. Angesprochen auf die zum Teil langen Reden der Kollegen im Bundestag, winkt sie locker ab. Die könne sie gut ertragen, die gehörten einfach mit dazu.

Und Sören Bartol? Den kennt sie natürlich. Und sie unterhält sich auch gerne mal mit ihm über Neuigkeiten aus dem Marburger Land. Denn dort kommt sie in der Tat nur noch selten hin. Das nächste mal aber noch in diesem Sommer. „Da steht das 30-jährige Abi-Treffen an, auf das ich mich schon sehr freue“, sagt sie. Nun ja, und als echte Wetteranerin war sie auch beim letzten Grenzegangfest zugegen und wurde natürlich auch auf einen Stein gehoben. Es freue sie sehr, dass sie nicht ganz vergessen ist in Wetter, aber ihre Heimat ist nun Steinfurt.

Und doch bleibt Marburg allgegenwärtig: Zurzeit studieren zwei ihrer Kinder, die Älteste und der Jüngste, in Marburg und finden es hier bei uns richtig klasse. Na, das hören wir Daheimgebliebenen doch auch sehr gerne.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Joachim Friedmann

Wer fernsieht, sieht die Schauspieler. Doch was die spielen, schreiben oft andere. Eine ganz besondere Sparte des Drehbuchautors ist der Serienautor. Einer von ihnen ist Joachim Friedmann.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Eine(r) von hier