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„Musik entsteht aus dem Moment“

Einer von hier „Musik entsteht aus dem Moment“

Claus Bantzer war vier Jahre alt, als er zum ersten Mal an einem Klavier saß. Heute bestimmt die Musik sein Leben. Der Komponist, Dirigent und Organist ist „Einer von hier“.

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Claus Bantzer bekam mit vier Jahren seine ersten Klavierunterrichtsstunden. Heute ist er ein namenhafter Komponist.

Quelle: Privatfoto

Marburg. „Bantzer, hallo?“ Die Stimme am Telefon ist leise, fast schon ein bisschen schüchtern. Kaum vorstellbar, dass sie zu einem Mann gehören soll, der durch seine Musik die Menschen verzaubert, der als Dirigent und Chorleiter den Ton angibt und der als bekannter Organist die Kirchenbänke füllt.Doch es ist die Stimme von Claus Bantzer. Der erfolgreiche Musiker lebt und arbeitet in Hamburg. Seine Wurzeln aber hat er in Marburg.

Das Kunstwerk des Vaters spendete Trost

Kaum beginnt Claus Bantzer von seiner Kindheit in der Lahnstadt und seiner Liebe zur Musik zu erzählen, wird seine Stimme fester. Es schwingt Euphorie und ein bisschen Wehmut, Nostalgie und etwas Lausbubenhaftes mit. „Wir lebten in einem kleinen Holzhäuschen und waren umgeben von Kornfeldern,“ erinnert sich Bantzer, der als jüngstes von fünf Kindern aufwuchs.

Der Vater Carl Francis Bantzer, Universitätszeichenlehrer und Sohn des berühmten Marburger Künstlers Carl Bantzer, kehrte aus dem zweiten Weltkrieg niemals zurück. „Ich weiß nicht, wie meine Mutter das damals geschafft hat - aber ich hatte eine glückliche Kindheit“, erzählt Baltzer. Eine Kindheit, in der Musik eine große Rolle spielte. Das Klavier stand im Wohnzimmer, die gemeinsamen Sing- und Spielstunden waren zu einem festen und geselligen Familienritual geworden. Schon als Vierjähriger bekam er Klavierunterricht.

„Ich bin leidenschaftlich gern in die Universitätskirche gelaufen. Das hat meine Kindheit geprägt.“ Einerseits, um sich im Klang der Orgel zu verlieren, andererseits, um das halb fertige Christophorusgemälde im Altarraum zu betrachten. Sein Vater hatte angefangen, es zu malen, bevor er in den Krieg zog. Beendet hat es der Marburger Maler Franz Frank.

Erinnerungen hat Claus Bantzer an seinen Vater keine. Dafür aber das Talent geerbt, seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen. Für ihn stand schon früh fest: Ich werde Musiker. „Einen Plan B hatte ich nie.“ Wieso auch? Die Familie, bestehend aus Musikern, Malern und Schauspielern, stand hinter ihm. „Meiner Mutter war nur wichtig, dass ich es richtig mache.“ Und das tat Claus Bantzer.

„Ich wusste immer, dass ich eine Begabung für die Musik hatte.“ Und genau dieses Talent wurde erkannt. Ungewöhnlich früh, mit 17 Jahren, begann Bantzer in Frankfurt Klavier und Dirigieren zu studieren. Zog kurz darauf nach Hamburg, um dort das Orgelspielen zu erlernen. Das Leben als Musiker, es gestaltete sich in den ersten Jahren schwerer als erwartet. Die Festanstellung blieb aus, der junge Künstler musste doch noch einen Plan B fassen. Statt als Organist zu arbeiten, schrieb er Theatermusik. Seine Interpretation stach heraus, ließ die Filmbranche auf ihn aufmerksam werden.

Bantzer wurde immer häufiger damit beauftragt, Filmmusik zu schreiben. Darunter mehrere Filme von Doris Dörrie. Schon 1987 gewann er den Bundesfilmpreis für Filmmusik.

Improvisationstalentan der Orgel

Parallel folgte die Festanstellung bei der Hamburger Kirchengemeinde St. Johannis-Harvestehude als Kantor und Organist und die Gründung des preisgekrönten Harvestehuder Kammerchors, den Bantzer noch bis heute leitet. Zwischen Konzertreisen und zahlreichen Musikprojekten mit Jazzmusikern, Gesangssolisten und Schauspielern, unter anderem auch Bruder Christoph Bantzer, entdeckte der Wahlhamburger seine Leidenschaft für die Improvisation. „Die Musik muss aus dem Moment entstehen“, erklärt er. Immer wieder neue Ausdrucksformen finden, ungewöhnliche Musik-Kombinationen schaffen, das ist es, was den 70-Jährigen Zeit seines Lebens antreibt. So improvisierte er bei einer Konzertreihe gemeinsam mit seinem Adoptivsohn. Bantzer am Klavier, sein junger Partner am Schlagzeug,. „Man muss sich gut kennen, um so etwas zu machen“, ist sich der Musiker sicher.

Die Musik prägt den Alltag des gebürtigen Marburgers. Bis zu vier Stunden übt er täglich. „Pausen gehören auch dazu. Aber ich halte es nie lange ohne Musik aus“, gesteht er. Durch seine zahlreichen internationalen Auftritte hat Bantzer die Welt gesehen. Einen Wunsch hat er jedoch noch: „Ich will nach Chile reisen.“ In das Land, in dem seine Mutter aufgewachsen ist und in dem sein Großvater lebte. Der Großvater, von dem er das Wichtigste in seinem Leben geerbt haben soll: Seine Leidenschaft für Musik.

von Marie Lisa Schulz

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