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Lange Drehtage statt Abhängen

Einer von hier Lange Drehtage statt Abhängen

„Normal“ – dieses Wort hat Luca Claar gerade aus seinem Wortschatz verbannt. Denn „normal“ ist für den Elfjährigen gerade nichts. Er steht derzeit für die Kinderserie „Der Schlunz“ vor der Kamera.

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Einfach mal ‘ne Runde abhängen. Kleine Stunts macht Luca ohne ein Double. Ist ja Ehrensache.

Quelle: Andreas Lehmann

Leidenhofen. 800 Kinder hat Luca Claar bei dem Casting für die Kinderserie „Der Schlunz“ im vergangenen Jahr hinter sich gelassen. Dabei war es nicht sein Kameralächeln, nicht seine höfliche und zuvorkommende Art – es war schlichtweg sein Aussehen, das die Verantwortlichen überzeugte. Denn keines der 800 Kinder hat so ein Lausbubengesicht wie der elfjährige Leidenhofener. Sommersprossen, blonde Wuschelhaare, ein verschmitztes Grinsen. Luca Claar spielt nicht nur vor der Kamera den kessen Frechdachs, er bleibt es auch, wenn er wieder aus dem Rampenlicht heraustritt. Ein Lausbub, dem niemand etwas übel nehmen kann. Einer, der mit seinem breiten Lächeln und seinem höflichen Auftreten alle Herzen am Set zum Schmelzen bringt.

Gedreht werden in diesem Sommer drei neue Serien des Kinderbuches „Der Schlunz“. Eine Woche braucht die 50-köpfige Crew für eine halbe Stunde Filmmaterial. Eine Woche, in der unter anderem das Schloss im hessischen Braunfels fest in der Hand des Filmteams ist. Eines, das musste Luca schnell lernen: die Arbeit am Film, sie ist detailverliebt. Nichts für ungeduldige Kindernerven. Erst wenn Licht und Ton stimmen, wenn die Kulissen aufgebaut und die Kostüme noch einmal überprüft wurden, wird es auch für Luca stressig. Im Vorbeigehen werden ihm von der Maskenbildnerin die Haare nachfrisiert, das T-Shirt wieder gerade gezupft und manchmal auch noch in letzter Minute von Regisseur Rainer Hackstock Text und Drehbuch verändert. Luca bleibt von dem ganzen hektischen Treiben völlig unbeeindruckt: „Ich habe viel Ausdauer und mache nicht so schnell schlapp“, erklärt er.

Zehnmal wiederholen er und seine Mitschauspieler an diesem Tag die erste Szene. Zehnmal hat der österreichische Regisseur Rainer Hackstock entweder etwas an Ton, Licht, Technik oder der schauspielerischen Leistung zu kritisieren. Seine Sätze beginnen an diesem Morgen alle mit einem großen Lob und enden mit einem noch größeren „Aber …“. Geduld ist gefragt. Geduld, und starke Nerven. Nicht nur Lucas Eltern, sondern auch die Schulleitung, das Jugendamt und der Kinderarzt mussten den Dreharbeiten zustimmen. Immerhin sind die Drehtage alles andere als „normale Sommerferien“. Es ist harte Arbeit. So hart, dass Luca abends oft nur noch müde ins Bett fällt. „Texte lernen hat dann überhaupt keinen Sinn mehr“, erklärt er. Das macht er lieber im Schnelldurchlauf. Irgendwo zwischen der Fahrt zum Drehort und der Maske.

von Marie Lisa Schulz

Mehr lesen Sie am Freitag in der gedruckten OP.

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