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Geerdete Kunstkritikerin: Verena Kuni

"Eine(r) von hier" Geerdete Kunstkritikerin: Verena Kuni

Die gebürtige Marburgerin Professor Verena Kuni lehrt mittlerweile „visuelle Kultur“ an der Goethe-Universität in Frankfurt. Die Arbeit von Kunstkritikerinnen wie Professor Verena Kuni beschränkt sich im 21. Jahrhundert nicht mehr darauf, der Welt zu erklären, warum ein Van Gogh anders aussieht als ein Schiele.

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Frankfurt . Zeitgenössische Kunst in all ihren Strömungen zu erfassen, Schnellverderbliches von Richtungsweisendem zu trennen und die Arbeit der Avantgarde für ein möglichst breites Publikum erklärend einzuordnen, scheint im immer unüberschaubarer werdenden Kunstgeschäft eine kaum lösbare Aufgabe zu sein.

„Ich setze mich nicht nur mit High Art auseinander, sondern mit Alltagskultur bis hin zum B-Movie“, sagt Verena Kuni, die schon als Kind mit ihren Eltern „Kulturlaub“ machte, während ihre Klassenkameraden Sandburgen bauten: „Ich erlebte die documenta-Zeit von Joseph Beuys‘ Honigmaschine – eine Zeit, in der Kunst lebendig, interaktiv und zum Anfassen war“, erinnert sich die Marburgerin, die am Philippinum ihr Abitur machte. Die Entscheidung, zunächst in Marburg Kunstgeschichte zu studieren, sei eng mit dem damals dort lehrenden Heinrich Klotz verbunden gewesen, sagt Verena Kuni, die mittlerweile selbst in Frankfurt an der Goethe-Universität eine Professur für visuelle Kultur innehat.

Im Vordergrund ihrer Arbeit stehen Lehre und Forschung, sagt die Professorin, die allerdings auch als Kunstkritikerin im In- und Ausland publiziert. Die ersten journalistischen Gehversuche machte sie ebenfalls in Marburg – beim Stadtmagazin „Express“, wo sie über Ausstellungen in Marburg und Gießen berichtete. Nach einigen Semestern in Hamburg kehrte Verena Kuni wieder zurück an die Lahn, um hier zu promovieren. „In dieser Zeit habe ich für den Marburger Kunstverein mehrere Ausstellungen kuratiert, unter anderem die Jörg-Sasse-Ausstellung.“

Ihre Heimatstadt sei durch ihre Geschichte schon ein kultureller Schatz, sagt Verena Kuni auf die Frage, wie sie als Expertin die Bedeutung Marburgs als Kulturstadt einschätzt. Der Kunstverein müsse sich durchaus im bundesweiten Vergleich nicht verstecken, Galeristen dagegen hätten es aus markttechnischer Sicht schwer. „Aber dann ist Marburg eine große Kinostadt, die Konzertszene ist lebendig, und außerdem lebt man so zentral, dass man sehr schnell alle wichtigen Metropolen erreichen kann.“

Theorie und Praxis gehören zusammen – das ist eine der wichtigsten Botschaften, die Verena Kuni ihren Studierenden vermittelt. Sie selbst fotografiert, zeichnet Comics, kurz: Sie hat künstlerische Techniken und Ausdrucksformen erlernt und in die Lehre integriert: „Es ist gut zu wissen, wie etwas funktioniert, bevor man darüber redet.“ Eine sympathisch-geerdete Aussage, die nicht nur in der Kunst Geltung haben sollte.

von Carsten Beckmann

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