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Er schreit sich in die Herzen der Fans

Wolff Christoph Fuss Er schreit sich in die Herzen der Fans

Der von seinen Fans als „Kommentatoren-Gott“ bezeichnete Sat.1-Sprecher, Wolff Christoph Fuss, hat seine Wurzeln in der Region und besucht regelmäßig das „charmante“ Hinterland.

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Der 34-jährige Wolff Christoph Fuss arbeitet als Fußballkommentator bei Sat.1 und ist mittwochs und samstags bei Topspielen live zu hören. Eine große Fangemeinde hat er, weil er als Sprecher authentisch rüberkommt.

Quelle: Sat1/Stephan Schütze

Günterod . Sportkommentator Wolff Christoph Fuss hat Talent. Seine Fans lieben ihn für seine professionellen Kommentare und seine unkonventionellen emotionalen Ausbrüche. Er lebt jedes Spiel und schreit die Bälle ins Tor. Seine geschmeidige sonore Stimme steigert sich am Mikrofon zu einer schrillen, lauten und einzigartigen Kommentatoren-Stimme.

Mit Fuss erhält jede Fußballspielübertragung vor dem heimischen Bildschirm Stadion-stimmung. Das brachte ihm eine große Fangemeinde ein, die ihn auf Platz 1 einer Internetumfrage als „besten Deutschen Fußballkommentator“ gewählt hat. Auf der Internetplattform „Youtube“ ist sogar ein Mitschnitt seiner besten Fußballkommentare verewigt: „Fuss, der Gott der Kommentatoren“, heißt es im Vorspann.

Der 34-Jährige ist kontaktfreudig, auf Du und Du mit dem Ex-Eintracht-Frankfurt-Trainer Friedhelm Funkel und Markus Babbel, der vom VfB Stuttgart zu Hertha BSC Berlin wechselte. Auch mit Louis van Gaal (FC Bayern München), Jürgen Klopp (RTL-Experte und Borussia Dortmund-Trainer) plaudert Fuss regelmäßig, und er kennt den Bad Endbacher Ortsteil Günterod wie seine Westentasche. Fuss‘ Mutter stammt aus Günterod. Die ersten sechs Lebensjahre hat der bekannte Sportkommentator in Niederweidbach verbracht und auf dem Bolzplatz seine ersten fußballerischen Gehversuche unter der Aufsicht seiner Oma unternommen. In Günterod hat er oft die Ferien verbracht, in Weidenhausen sogar für zwei Wochen die Schulbank gedrückt. Es gibt einen festen Termin, an dem Fuss von der Großstadt ins Hinterland kommt und er hat noch keinen verpasst: Am 1. August feiert seine Oma Geburtstag. Vor wenigen Tagen wurde sie 90 Jahre alt. Das Hinterland hat „Charme“, sagt der „ran“-Kommentator, der gern in der Region zu Besuch ist.

Wolff Christoph Fuss ist ein klassischer Quereinsteiger, sein Konzept zur Vorbereitung auf das Neuland Fernsehen war simpel: learning by doing. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Stuttgart arbeitete er zunächst als freier Mitarbeiter fürs Radio und für Zeitungen. Ihm wurde schnell klar, dass Stuttgart nicht der richtige Ausgangspunkt ist, um seine Karriere voranzutreiben. Er konzentrierte sich auf den Medienstandort München. Ab dieser Zeit stand nur noch Sport in Fuss‘ Fokus. Eine Zeit lang war Fuss die Radiostimme bei Sportereignissen – lokal und überregional.

Er bewarb sich auf gut Glück bei „DSF“ und arbeitete zunächst in der Online-Redaktion. Als Leo Kirch 1997 mit DF1 eine große digitale Plattform ins Leben rief, wurde ihr der Sender DSF unterstellt. Dann wurden Stimmen gesucht. Der sportversierte und fußballbegeisterte Fuss erkannte seine Chance und brillierte, indem er es schaffte, „drei, vier Sätze unfallfrei zu formulieren“. Der damals 21-Jährige stellte sich den harten Bedingungen im Kampf um die begehrten Jobs. Was Fuss auszeichnete, war seine „vernünftige Stimme“, und er verstand es, „aus der Hüfte heraus“ zu kommentieren. Das überzeugte und er erhielt seine Chance. Zu Beginn kommentierte er mitten in der Nacht Aufzeichnungen von Spielen aus der argentinischen Liga. „Für mich als junger Kommentator war es ein ideales Plantschbecken“, beschreibt Fuss die Zeit bei DF1. Eine weitere Station Fuss‘ war der Sender ESPN, und er kommentierte das Videospiel „Pro Evolution Soccer“ und hatte in der Synchronfassung des US-Kinohits „50 erste Dates“ mit Adam Sandler eine Mini-Kommentatoren-Szene bei einem Footballspiel im Fernsehen.

Seit 2001 kommentiert Wolff Christoph Fuss Spiele der Fußballbundesliga im großen Stil, 2002 war seine Stimme während der Fußballweltmeisterschaft zu hören. Seitdem zeigt er seine professionellen Stärken als Kommentator auch bei internationalen Fußballspielen. Vor einem Jahr wurde Fuss von Sat.1 abgeworben.

Jetzt ist er ein Experte bei der UEFA Europa League und der Champions League. Mittwochs ab 20.15 Uhr kommentiert Fuss die Champions League in Sat.1 und am Wochenende, unter anderem an Samstagen, kommentiert er ab 15.30 Uhr die Topspiele der Fußball-Bundesliga für „Liga Total“ und bringt die Fußballfans vor den Bildschirmen in Stimmung.

Vor dem Spiel erhält er ein 120-Seiten-umfassendes Skript der Redaktion mit wichtigen Informationen: statistische Daten und Presseberichte. Und er spricht vor dem Spiel mit den Trainern, ganz ungezwungen bei einer Tasse Kaffee. Das Vertrauen der Topverdiener unter den Trainer, wie Louis van Gaal, muss sich Fuss hart erarbeiten. Aber es zahlt sich aus: Wenn die Fußballer auf dem Grün zum Spiel einlaufen und Fuss in der Kommentatoren-Kabine Platz nimmt, seine Merkzettel anklebt, kennt er die Mannschaftsaufstellung und weiß, wie die „Jungs“ von ihrem Trainer vorbereitet worden sind.

Neben dem Fußball heißt seine neue Passion, der er sich seit diesem Jahr als Kommentator leidenschaftlich widmet, Boxen. Bevor er allerdings live kommentierte, probierte er aus, ob er sich selbst seinen Stil und sein Wissen abkauft. Er hat Boxkämpfe analysiert, um den Sport zu verstehen. Angefangen habe er bei Adam und Eva, sagt er. Es sei ihm wichtig zu vermitteln, was zum Beispiel die Sekundanten in ihren Ecken machen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Fuss bereits 900 Fußballspiele kommentiert und war sicher, alles an Pannen erlebt zu haben. Doch beim Boxen war alles neu. Wolff Christoph Fuss spielte alle Eventualitäten durch – auch die, warum das Handtuch geworfen wird. Seine Authentizität ist sein Erfolgsrezept.

von Silke Pfeifer-Sternke

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