Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Eine(r) von hier Elf Frauen und eine Teammanagerin
Landkreis Eine(r) von hier Elf Frauen und eine Teammanagerin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:50 07.07.2011
„Ich bin niemand der schreit. Ich fiebere im Stillen mit.“ Und mitfiebern, das tut sie auch bei der Frauen-Fußball-WM. Live natürlich. Karten für zwei Spiele hat sie bereits in der Tasche. Einen Tipp abgeben, welches Team die Weltmeisterschaft gewinnen wird, da weigert sich Katja Spielmann vehement. Quelle: Privatfoto

Marburg. Wenn Katja Spielmann nach der Abseits-Regelung gefragt wird, verdreht sie genervt die Augen. „Abseits ist immer dann, wenn das Fähnchen wackelt“, sagt die 27-Jährige. Sie könnte es erklären, will es aber nicht. Denn wenn Katja Spielmann eines langweilt, dann sind es Vorurteile rund um das Thema Frauenfußball.

„Frauenfußball ist vielleicht nicht so schnell wie Männerfußball. Aber er ist technisch schöner. Das ist kein Gebolze, hier wird mit dem Kopf gespielt“, erklärt die Wahl-Saarländerin.

Vor einem Jahr packte sie ihre Sachen, zog aus ihrer Marburger Studentenbude aus und nahm ihre Arbeit als Teammanagerin beim 1. FC Saarbrücken auf. „Ich bin das Mädchen für alles“, beschreibt Katja Spielmann ihren Traumjob. Sie ist für die Organisation, das Marketing und die Finanzbuchhaltung rund um die Frauenfußball-Abteilung des FC Saarbrücken zuständig. „Mein Job beschäftigt mich sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Aber das ist eine Herzensangelegenheit.“

Die erste Mannschaft des FC Saarbrücken ist in dieser Saison aus der ersten Bundesliga abgestiegen. Die Enttäuschung sitzt bei den Spielerinnen und der Teammanagerin noch immer tief. „Da hängt so viel dran. Aber man muss auch immer die Chancen sehen, die mit so einem Abstieg verbunden sind.“

Die Fußballerinnen des 1. FC Saarbrücken, sie sind der 27-Jährigen in den vergangenen Monaten ans Herz gewachsen. Katja Spielmann bewundert den Biss der Sportlerinnen, bewundert ihre Bereitschaft, zahllose Abstriche im Privatleben in Kauf zu nehmen, um in der Spitzenliga mitspielen zu können.

„Es ist ja nur Frauenfußball“, sagt Spielmann leicht sarkastisch. Keine der Kickerinnen kann von dem Gehalt leben. Sie alle müssen ihr Hobby rund um den Beruf und die Familie planen. Die Wochenenden verbringt die Mannschaft samt Trainerstab und Teammanagerin häufig auf der Autobahn. Kreuz und quer durch die Republik. Jedes zweite Wochenende ein anderer Sportplatz. Das schweißt „den Zickenhaufen“, wie Katja Spielmanm das Team manchmal liebevoll nennt, zusammen.

Und während sie die Disziplin ihrer Spielerinnen bewundert, scheint die 27-Jährige völlig vergessen zu haben, dass auch sie einen steinigen Weg voller Entbehrungen hinter sich hatte, bevor sie in ihrem Traumberuf arbeiten durfte. Ein Weg, der eiserne Disziplin und Durchhaltevermögen von ihr abverlangte.

In Marburg studierte sie Völkerkunde, Religionswissenschaft und Friedens- und Konfliktforschung. Setzte noch ein Studium der Sportökonomie an der Fernuni obendrauf. Ein Jahr verbrachte sie zudem noch in Amerika. Tausende Kilometer weg von zu Hause wurde ihr vorsichtig formulierter Wunsch im Sportbereich zu arbeiten, zu einem festen Ziel.

von Marie Lisa Schulz

Mehr lesen Sie am Freitag in der Printausgabe der OP und bereits am Donnerstagabend auf Ihrem iPad.