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Landkreis Durch Wald und Wiesen in die „Schweiz“
Landkreis Durch Wald und Wiesen in die „Schweiz“
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22:32 09.07.2012
Gladenbach

Am Wanderportal auf dem Gelände des Verdi-Bildungszentrums in Gladenbach schaue ich mir den Streckenverlauf und das Höhenprofil des zertifizierten Premiumwanderweges an. Dann entschließe ich mich, erst zum Schluss durch die „Hinterländer Schweiz“ zu gehen.

Mit einer guten Karte, Wanderschuhen und Proviant bin ich ausgerüstet, da kann ja nichts mehr schiefgehen. Vom Wanderportal geht‘s rund 100 Meter zum Ausgangspunkt des Gladenbacher Berglandrings und zunächst durch eine lichte Waldung leicht bergan. Keine 20 Meter von mir entfernt entdecke ich einen jungen Rehbock, der mir auf meinem Weg hinterherschaut.

Die Karte der Wanderroute finden Sie hier zum Download:

Die Karte der Wanderroute finden Sie hier zum Download:

Weg_7_Gladenbach_Berglandweg (39,6 kB)

Vorbei am Sportgelände Gladenbach und über die Bundesstraße führt der Weg zur Schieferkaute. Auf der Informationstafel ist zu lesen, dass hier in der Vergangenheit Schiefer, vorrangig für Dacheindeckungen, abgebaut wurde. Über eine Kuppe hinweg gelangt man in ein Seitental der Allna und geht, meist am Waldrand, an zwei Teichen vorbei ständig talwärts. Viele Vogelstimmen sind zu hören und das durch die Baumkronen fallende Sonnenlicht schafft eine idyllische Atmosphäre. Weiß- und Schwarzstorch, Nachtigall, Wasseramsel und Eisvogel sollen hier zu Hause sein, und der Kuckuck ist deutlich und lang anhaltend zu hören.

Um eine Bergkuppe führt der Weg herum und auf eine Hütte, einen Grubeneingang mit Lore und Erzgestein zu. Die Grube Ludwigshoffnung, in der Kupfer und Nickel abgebaut wurden, hat hier, wie auf einer Informationstafel zu lesen ist, bis 1937 bestanden. Es geht bergab nach Bellnhausen, von alters her ein Bauerndorf, heute jedoch eine Wohngemeinde. In der Ortsmitte steht ein kleines Fachwerkkirchlein aus dem 17. Jahrhundert umgeben von historischen, denkmalgeschützten Fachwerkhöfen.

Klicken Sie auf die Buttons an den Wanderrouten, um zur jeweiligen Detailbeschreibung zu gelangen.

An der Allnabrücke in Bellnhausen bin ich bei rund 280 Höhenmetern auf dem tiefsten Punkt meiner Wanderung angekommen. Nun steht ein etwa drei Kilometer langer Anstieg zum Hünstein auf 504 Höhenmetern an - 220 Höhenmeter muss ich überwinden. Am Rande des Allnatales entlang, über die Bundesstraße

hinweg wird der Weg immer steiler, zuletzt läuft man auf einem Pfad zum Turm auf dem Hünstein. Nach kurzer Turmbesteigung gehe ich weiter, am Allberg und der Kuppe des Daubhauses vorbei, und sehe mich nun, da ich gut die Hälfte der Strecke geschafft habe, nach einer Rastmöglichkeit um. Diese finde ich oberhalb des ehemaligen Diabassteinbruches von Rachelshausen. Die Pause tut mir gut und animiert mich, die Informationstafeln zu studieren.

Der Diabas, auch „Hinterländer Marmor“ genannt, wurde hier bis in die 60er Jahre abgebaut, heute ist das Gelände ein Naturdenkmal. Eine andere Tafel gibt Informationen zur „Landhege“, zwei mittelalterlichen Wehranlagen, aus Hainbuchen und Dornenhecken, teilweise auch mit Gräben und Wällen verstärkt.

Der Gladenbacher Berglandring verläuft anschließend um den Steinbruch herum. Hier wurde auch mit dem „Kanzelblick“ ein toller Aussichtspunkt geschaffen - mit Blick zum Taunus und Vogelsberg, aber auch in das Steinbruchgelände hinein. Auch in Rachelshausen gibt es eine sehenswerte Fachwerkkirche, erbaut im 30-jährigen Krieg. Ohne Dachreiter könnte man sie kaum von einem Wohnhaus unterscheiden.

Abwechselnd durch Wiesen, die in voller Blüte stehen, und kleine Wälder gelangt man in das obere Kehlnbachtal und von dort auf einem schmalen Weg in die „Hinterländer Schweiz“. Auf einem Pfad läuft man oberhalb des Kehlnbachs. Das Gelände wird steiler. Und dann erscheinen immer mehr bizarre Schieferklippen, Felsformationen die an Schweizer Bergregionen erinnern. Dies ist ein sehr eindrucksvoller Abschnitt des Wanderweges, der am Ende des Terrains wieder zum Ausgangspunkt zurückführt.

Region: Lahn-Dill-Bergland

Strecke: 16,2 Kilometer Höhenlage: 280 bis 520 Höhenmeter Dauer: 4 Stunden (geübte Wanderer), 5,5 Stunden (Genusswanderer) Wanderkarte: Lahn-Dill-Bergland-Pfad Tipps: Wanderschuhe und Rucksackverpflegung sind sehr zu empfehlen. Im Gladenbacher Bergland gibt es ein gut ausgebautes Wanderwegenetz. An- und Abreise: Mit dem Bus bis Busbahnhof Gladenbach; mit Pkw: Schlossallee 33, Gladenbach. Besonderheiten: Naturnahe Pfade vom Hünstein bis Rachelshausen, Pfad mit Felsformationen in der „Hinterländer Schweiz“.

von Gerd Daubert

Gerd Daubert schnürt die Wanderschuhe. Der 65-jährige Marburger leitete bis ins vergangene Jahr das Amt für den ländlichen Raum und war in die Gründung der Regionalvereine Lahn-Dill-Bergland und Burgwald involviert. Daubert ist ein absoluter Kenner der Region und hat an der Entwicklung des Wanderwegenetzes entscheidend mitgewirkt. Zudem ist er ein passionierter Wandersmann.

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