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Auf der Suche nach dem Geist des Weines

Das schaffe ich... Auf der Suche nach dem Geist des Weines

Sommeliers sind die Künstler unter den Trinkern. Sie schmecken Waldfrüchte, Tannin und andere Aromen aus der Flüssigkeit heraus, die andere schlicht Wein nennen. Dennis Siepmann sagt: "Ich schaffe das, ich werde Weinkenner!"

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Weine sind seine Passion: Robert Sabo.Foto: Dennis Siepmann

Marburg. Im Wein liegt Wahrheit: So heißt es zumindest. Folglich führt der Weg zur Erkenntnis über den, den die weißen und roten Trauben zurücklegen, bis aus ihnen der beliebte Tropfen wird. Zum Verständnis benötigt es also einen Fachmann: jemanden wie Robert Sabo. Der selbstständige Einzelhandelskaufmann weiß um das Geheimnis des Weines. Um sich dem sagenumwobenen Getränk zu nähern, kommt Sabo auf eine höchst simple Formel: „Wirklich entscheidend ist, was einem schmeckt.“ Und das soll nun das ganze Geheimnis sein?

Immerhin ergehen sich viele Weinliebhaber in fast wissenschaftlich anmutenden Diskursen über die Herkunft, Lagerung oder wetterbedingte Besonderheiten eines Traubenjahrgangs. „Mit dem Wein ist es wie mit der Politik - da kann man unendlich theoretisieren und philosophieren“, sagt Sabo, der in der Marburger Untergasse seinen Wein- und Käsehandel betreibt. Die Faszination für Lebensmittel gehobener Qualität erwachte bei Sabo während seiner Ausbildungszeit. Als Lehrling bei der Kaufhauskette Horten kam er früh in Kontakt mit Delikatessen und Getränke-Spezialitäten. Aus dem anfänglich beruflichen Interesse wurde schließlich eine Leidenschaft. „Nachdem der Marburger Horten schließen musste, habe ich auch mal in einem Lebensmitteldiscounter gearbeitet - aber da wurde mir relativ schnell klar, dass das nicht meine Zukunft sein würde“, führt Sabo einen Grund an, warum er sich vor 22 Jahren selbstständig machte.

Über zwei Dekaden - eine lange Zeit, in der der Familienvater vieles lernte, aber auch so manche Einsicht erhielt. „Genuss hat auch immer etwas mit dem Kopf zu tun. Fühlt man sich re-laxt, schmeckt ein Wein anders, als in einer Stresssituation. Man muss sich die Zeit nehmen, Wein genießen zu können“.

Wie wird man aber nun zu einem echten Weinkenner? Auch für diese Frage hat Sabo eine einfache Antwort parat: Ausprobieren. „Durch Testen der verschiedenen Sorten bekommt man ein Gefühl für die Weine“, erklärt Sabo, der bei seinen Kunden einen Trend erkennt: „Junge Menschen bevorzugen fruchtige Weine, ältere eher die schwereren“. Geschmack ist also doch eine Frage der Generation.

Für alle Neulinge auf dem Gebiet der Weinkunde gilt, Erfahrungen mit den verschiedenen Rebsorten zu sammeln. Erste Erfolge zeigen sich durch das Erschmecken verschiedener Inhaltsstoffe, die Sabo „Essentials“ nennt: „Relativ einfach lässt sich feststellen, ob ein Wein trocken oder süß, nach Himbeeren oder einer anderen Frucht schmeckt“. Der Austausch mit Weinliebhabern bringe dann weitere Erkenntnisse, so Sabo. Dazu gehören auch die Fachtermini, zusammengefasst in der Weinsprache. Wenn von Abgängen, Edelfäule oder Sémillon die Rede ist, weiß der Weinfreund Bescheid - der Laie versteht hingegen nur Bahnhof. Auch hier kann Robert Sabo Abhilfe leisten. Regelmäßig veranstaltet er Weinproben, bei denen er die unterschiedlichen Begrifflichkeiten erklärt. Natürlich lernt es sich auch im privaten Umfeld: Sinnvoll sei dann, verschiedene Weinsorten zu kaufen und zu probieren. „Dafür muss man auch nicht viel Geld investieren“, so Sabo.

Beim Genuss spielt die richtige Atmosphäre eine entscheidende Rolle und beinhaltet verschiedene Rituale des Weintrinkens: von der korrekten Öffnung der Flasche bis zum eigentlichen Genuss des Traubengetränkes folgt alles einer langen Tradition. „Jedes Element ist sinnig, weil es dazu dient, den Geschmack und Genuss des Weines ins Zentrum zu stellen“, erklärt Sabo. Und nur das zählt für ihn: Die Besonderheit des Weines bleibt nur bestehen, wenn man ihm den nötigen Respekt erweist und ihn wirklich bewusst genießt.

von Dennis Siepmann

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