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Landkreis Winterspieße von der Feuerplatte
Landkreis Winterspieße von der Feuerplatte
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13:51 11.03.2018
Einmal kurz lachen für den Mann von der OP, dann geht‘s für die leichtbeschürzte Küchencrew des BBQ-Teams Hinterland wieder ab in die Hütte. Da warten die Gäste. Quelle: Hartmut Berge
Mornshausen/S.

Es gibt als Vorspeise zweierlei Winterspieße, – jeweils an Kräuterbutter – Hackfleisch in Chinakohl und Tomaten, auf dem zweiten Spieß Rosenkohl in Bacon mit Kartöffelchen. Zum ersten Hauptgang gibt‘s Rosmarin-Balsamico-Schweinefilet auf gegrilltem Fenchel, danach Schwarzbier-Gulasch aus dem Dutsch Oven auf Pappardelle all‘ uovo. Und wer bis dahin nicht satt ist, bekommt als Dessert Bratapfel vom Grill mit ­Vanillesoße.

In welchem Restaurant das kredenzt wurde? In der Mornshäuser Rauschenberghütte. Das Hinterländer BBQ-Team zelebrierte dort zum dritten Mal sein Wintergrillen. Wäre der Weg nicht gut ausgeschildert gewesen, man hätte gewiss auch mithilfe eines feinen Näschens zum Ort des Geschehens gefunden. Denn im Salzbödetal roch es am vergangenen Wochenende nach Buchenfeuer und Holzkohle.

Je näher ich der Rauschenberghütte komme, desto intensiver ist das typische Barbecue-Bukett wahrzunehmen.

„Hier riecht es nicht nur gut, hier schmeckt es auch prima“, gibt mir ein Mornshäuser zu verstehen. Der erwartungsfrohe Mitmensch ist am Sonntag, wie ich, auf dem Weg zur Hütte. Er ist zum wiederholten Mal Gast des Wintergrillens. Ich will die Experten besuchen, deren Barbecue-Feste als Geheimtipps gelten. Auf jeden Fall sind sie einzigartig im Landkreis.

Im und vor dem Unterstand neben der Hütte haben sie ihr Equipment aufgebaut: Zwei große, moderne Gasgrills, Kugelgrills, selbstgebaute Feuerplatten und gusseiserne Feuertöpfe – Dutch Oven. „Das ist alles aus den Privatbeständen der Mitglieder“, berichtet Alex Fischer, während er Buchenholz im Feuerplatten-Ofen nachlegt. Diese Öfen sind die Hingucker schlechthin.

Einmaleins des Grillens auf kleinem Rost gelernt

„Zum ersten Mal gesehen haben wir sie bei den Deutschen Grillmeisterschaften und dann nachgebaut“, berichtet Dominik Loos. Basis für den trendigen Grill ist eine Stahltonne, in ihr fixiert wird die modifizierte Trommel einer Waschmaschine. Sie ist der Feuerkorb für das Holz. Auf der Tonne sitzt eine sechs Millimeter dicke runde Platte, die in der Mitte ein großes Loch hat. Daraus lodern die Flammen und erhitzen den Stahl.

„Auf einer Feuerplatte kann man sehr viel zubereiten, vom Steak bis hin zu Gemüse“, beschreibt Alex. Er und Dominik zählen zur „Keimzelle“ des BBQ-Teams Hinterland, zu dem auch Frank Nöding, Martin­ ­Eidam, Tobias Tugend, Frank ­Bilib, Robert Mensel, Benjamin Schmidt und Silas Pfeiffer zählen. Bis auf zwei kommen alle aus Mornshausen. Dominique und Martin entfachten vor fünf Jahren die Grillleidenschaft, die sich wie ein Flächenbrand ausbreitete.

Im Wesentlichen lagen­ anfangs Steaks und Würstchen auf dem Rost, das Übliche halt. Informationen über die neuesten Kreationen wurden mit dem Smartphone aufgenommen und zu Freunden und Bekannten geschickt. Weitere Gleichgesinnte kamen hinzu. Dann entschlossen sie sich, einen Verein zu gründen. „Ursprünglich wollten wir uns alle paar Wochen zum Grillen treffen, was wir auch eine Zeit lang taten“, berichtet Dominik.

Das Team experimentierte­ weiter, das Interesse und die Neugierde im Umfeld der Gruppe wuchs. Damit auch andere an dem Grillspaß und den leckeren Ergebnissen teilhaben konnten, lud man zum ersten Sommerfest. Auf eigener Gerätschaft bereitete das Team vor allem in großen Mengen Pulled Pork und Spareribs zu. „Wir hatten riesigen Andrang, die Gäste waren zufrieden“, erinnert Alex. Die Grillfreunde, bei ihren Auftritten längst unterstützt von ihren Partnerinnen, luden wenige Monate später zum ersten Wintergrillen ein, das, wie auch das Sommerfest, nunmehr zum dritten Mal stattfand.

Zur Begrüßung gibt‘s Datteln im Speckmantel

Für das inzwischen fürs zweite Februarwochenende fest gebuchte Ereignis, muss man sich allerdings Eintrittskarten besorgen. „Die rund 90 Stück für Samstag und Sonntag gehen im Advent in den Vorverkauf und sind im Nu vergriffen“, berichtet Dominik. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden die Gäste am vergangenen Wochenende mit Datteln im Speckmantel empfangen. Dazu erhält jeder ein Glas Sekt. In der dem Anlass entsprechend dekorierten Hütte ist‘s kuschelig warm. So wie das Küchenteam – mit schicker Kochjacke und Schürze bekleidet – tritt in der warmen Jahreszeit das ganze Team auf. Für Leute im Außendienst ist dieses Outfit am Sonntag allerdings zu dünn. Zwischen den Gängen genießen die Gäste die Wintersonne und schauen den Grillmeistern über die Schulter.

Im BBQ-Team gibt es niemanden, der im Gastrogewerbe arbeitet. An den Grills stehen etwa Werkzeugmacher, Maurer, Kardiotechniker, Krankenpfleger, ein Getränkehändler und ein Wirtschaftsingenieur.

Und wenn sie gerade nicht neue Menüs kreieren oder Grills bauen, dann schmieden sie Pläne fürs vierte Sommerfest im September – wieder in und an der Rauschenberghütte. Dafür mietet sich das Team wieder einen sechs Meter langen Smoker, in dem fast alle warmen Speisen zubereitet werden. Damit das Fleisch die richtige Kerntemperatur erreicht, setzt das Team Funkthermometer ein. „Während des Sommerfestes liegen rund 20 Empfänger nebeneinander, ­alle durchnummeriert“, berichtet Alex.

Wer glaubt, das Wintergrillen sei in weiter Ferne und längst noch nicht in den Köpfen des Teams, der irrt. Denn sicher ist: Den Gästen wird am zweiten  Februarwochenende 2019  ein vollkommen neues Menü geboten. Bis dahin lassen sie sich inspirieren, womöglich beim ­Besuch der nächsten Deutschen Grillmeisterschaft.

Und dann wird probiert, bis die eigenen Kreationen schmecken. Alex und Dominik erinnern sich an komplizierte Versuche mit einer ­Käse-Lauch-Suppe. Nach deren Schilderung waren aber die Kürbis-Suppen-Experimente noch langwieriger. In dieser Phase der Vorbereitungen müssen die Familienmitglieder der Barbecue-Experten ganz stark sein. Durchhaltevermögen ist gefragt. Denn der Speiseplan kann lange Zeit sehr einseitig sein. Groß ist aber die Freude bei allen Beteiligten, wenn die ausgetüftelten Gerichte während der Feste den Gästen munden. 

von Hartmut Berge