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Unterwasser-Rugby: Eine Landratte unter Raubfischen

OP-Serie: Abenteuer Sport (Teil 1) Unterwasser-Rugby: Eine Landratte unter Raubfischen

Zwei Mannschaften stehen sich gegenüber wie mittelalterliche Krieger kurz vor der entscheidenden Schlacht. Ein Schlag auf die Wasseroberfläche ist das Zeichen zum
Angriff: Das Spiel beginnt.

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Das Abenteuer Sport beginnt

Volontär Dennis Siepmann und Redakteurin Marie Schulz ging beim Unterwasser-Rugby die Puste aus.

Quelle: Michael Hoffsteter

Es sind nur noch wenige Zentimeter bis zum Torerfolg, ich habe freie Bahn auf den Korb, die letzten Flossenschläge und – plötzlich kommt eine Hand von oben und schlägt mir den Ball aus der Hand. Ich habe keine Luft mehr, um nachzusetzen und muss auftauchen. Es sind fast vier Meter bis zur rettenden Wasseroberfläche.


Oben angekommen, möchte ich soviel Sauerstoff in meine Lungen füllen, wie es nur eben geht. Doch wieder habe ich den Schnorchel nicht mitbedacht. Die Folge: Statt frischer Luft bekomme ich nun chlorhaltiges Wasser – gefühlt habe ich jetzt schon sechs Liter geschluckt, dabei hat das Spiel gerade erst begonnen.

Unterwasser-Rugby ist nichts für Weicheier, nicht geeignet für Menschen die Entspannung suchen und es lieber langsam angehen lassen. „Man darf da nicht zimperlich sein“, sagt Torhüterin Sarah Kunkel, „schließlich ist das ein Vollkontaktsport“.

An Land zeigen sich die Sportler keineswegs gefährlich – eher verletzlich. Mit ihren Taucherflossen, den großen Schwimmbrillen und den Schutzkappen wirken sie wie überdimensionierte Pinguine. Springen die Spieler jedoch ins Schwimmbecken, ist es genau wie bei den Seevögeln: das Wasser ist ihr eigentliches Element. Ich verfolge den Kampf um den mit Salzwasser gefüllten Ball nahe der Wasseroberfläche durch meine Taucherbrille.

Gerne würde ich mich mehr am Spiel beteiligen: den Ball an meine Mitspieler passen, den Weg zum gegnerischen Korb suchen, um den herum sich die Spieler-Meute in diesem Moment tummelt. „Im Wasser ist doch genug Sauerstoff – das muss doch reichen“, höre ich eine Stimme neben mir, nachdem ich mich erneut darüber beschwert habe, dass anscheinend niemand außer mir wirklich Luft zum Atmen benötigt. "Das ist alles Übungssache“, erklärt Sarah Kunkel mit beruhigender Stimme: „Wir trainieren das Apnoetauchen, um länger unter Wasser bleiben zu können“.

Ich nehme einen letzten tiefen Atemzug, bevor ich mich erneut ins Getümmel werfe. Wirkt das Spiel zunächst ungeordnet, so erkenne ich bereits nach kurzer Zeit ein System. Es gibt Torhüter, Verteidiger und Stürmer – alle haben eine spezielle Aufgabe. Meine Aufgabe innerhalb der Mannschaft bleibt zunächst für alle ein Geheimnis, inklusive mir selbst. Ich versuche, in der Nähe des Balls zu bleiben, was  jedoch nur bedingt funktioniert. Es kommt nicht oft vor, dass ich das Spielgerät fest an mich gedrückt in beiden Händen halte, denn sobald dies der Fall ist, zischen Gegenspieler aus allen Richtungen herbei. Und dies ist wirklich wortwörtlich zu verstehen. Bei welcher Sportart können sich die Gegenspieler schon sowohl über, als auch unter einem befinden? Beim Unterwasser-Rugby ist eben alles ein wenig anders.

Im direkten Duell unter Wasser ist fast alles erlaubt, außer unfaire Tricks – wie etwa das Ziehen an der Bekleidung oder das gezielte Beißen und Kratzen. Zu Letzterem fehlt mir sowieso die Kraft.
Ein erstes kleines Erfolgserlebnis stellt sich ein, als der Spielball nach einem Pass tatsächlich den Weg zu einem meiner Mitspieler findet. Leider muss ich nach dieser Aktion wieder eine meiner vielen Pausen einlegen. Mittlerweile läuft die Unterwasserschlacht schon über eine halbe Stunde und ich gewöhne mich immer mehr an die Spielgeschwindigkeit und den Druck, der auf den Ohren lastet.

Tatsächlich schaffe ich es, im letzten Angriff des Spiels ein Tor zu erzielen – wahrscheinlich ist dies ein nettes Gastgeschenk, damit ich nicht vollkommen desillusioniert nachhause fahren muss. Mein Fazit: Wer eine Herausforderung sucht, etwas einstecken kann und sich gerne auspowert ist beim Unterwasser-Rugby genau richtig. 

Wissenswertes rund um den Sport

  • Gespielt wird mit einem mit Salzwasser gefüllten Ball, der durch seine im Vergleich zu Süßwasser höhere Dichte schneller sinkt
  •  In einer Wassertiefe zwischen dreieinhalb und fünf Metern befinden sich die
  • Tore, Metallkörbe mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern, am Beckenboden.
  • Ein Spiel dauert zwei Mal 15 Minuten. Jede Mannschaft besteht aus sechs Spielern und sechs Auswechselspielern sowie drei Ersatzspielern.
  • Interesse? Training immer mittwochs ab 20 Uhr, samstags ab 13 Uhr, Hallenbad Pohlheim/Gießen.
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