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Jagd auf ein bekanntes Flugobjekt

OP-Serie Abenteuer Sport Jagd auf ein bekanntes Flugobjekt

Rennen, rennen und noch mehr rennen. Wer mit den Ultimate-Frisbee-Spielern mithalten möchte, muss schnell auf den Beinen sein und dazu noch ganz viel Gefühl in den Händen haben.

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Das sieht doch schon sehr gut aus: OP-Volontär Dennis Siepmann spielt beim Ultimate-Frisbee mit.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Stopp, ich will doch in die andere Richtung. Die Frisbee zischt an mir vorbei - keine Chance sie noch mit den Händen zu erwischen. Hätte ich doch bloß meine Fußballschuhe eingepackt. Auf dem nassen Rasen am Afföller-Gelände finde ich mit meine Straßenschuhen einfach keinen Halt. Ich rutsche und schlingere auf dem glitschigen Boden.

 

Wieselflink bewegt sich hingegen Josh Bechthold über das Feld. Seit fünf Jahren spielt der Student in der Uni-Sportmannschaft - ein echter Veteran für Marburger Verhältnisse. „Da hier fast nur Studenten mitspielen, erneuert sich das Team ständig“, sagt Bechthold. Bei der Sportart Ultimate Frisbee spielt die Wurftechnik eine entscheidende Rolle: Die 175 Gramm schweren Scheiben werden im Spiel zentimetergenau zum freien Mitspieler gepasst. Schon bei den Aufwärmübungen zeigt sich die Präzision, mit der die Sportler die Plastikscheiben durch die Lüfte wirbeln. Ich übe abseits der Gruppe die verschiedenen Wurftechniken mit Josh Bechthold.

Am schwierigsten gestaltet sich für mich das Werfen mit der Vorhand. Die Frisbee fliegt zwar ein paar Meter - aber erstens nicht so, wie bei den anderen und zweitens nicht zu meinem Spielpartner. Ziel verfehlt - vorerst zumindest.

Technik ist entscheidend

„Die Technik kommt aus dem Handgelenk“, sagt Bechthold und führt den Bewegungsablauf mit der Frisbee vor. Je schneller die Rotationsbewegung der Hand, desto schöner fliegt die Scheibe. Schauen, Ziel fixieren und werfen - kann doch eigentlich nicht so schwer sein.

Vorerst geht es mir jedoch darum, das weiße Spielgerät möglichst genau zu Bechthold zu werfen. Der Geographie-Student begleitet mich nach diesem kurzen Einstieg zu den übrigen Sportlern, die sich bereits eine ganze Weile alleine warm gemacht haben. Etwa 15 Spieler und Spielerinnen kommen auf Kommando zusammen. Die nun folgende Übung erscheint zunächst recht simpel: losrennen. Ich starte so schnell es eben geht, wobei meine eigentliche Aufgabe darin besteht, die nahezu gleichzeitig geworfene Frisbee zu erlaufen bevor sie den Boden berührt. Ich komme mir vor wie ein Hund, der ein Stöckchen jagt, mit dem Unterschied, dass ich eben nicht so schnell laufen und ebenso wenig gut fangen kann, wie die wendigen Vierbeiner.

Ich spüre einen kurzen Moment der Genugtuung, nachdem ich die Frisbee nach langem Sprint endlich gefangen habe. Und nun? „Los los! Der nächste läuft schon: wirf sie ihm zu“, lautet das Kommando an mich. Ich sehe die schnellen Schritte des vermeintlichen Passempfängers. Ich schaue nochmals genau hin und werfe.

Die Frisbee fliegt und fliegt immer weiter - in eine komplett andere Richtung und landet schließlich auf freier Fläche. „Hmm“, denke ich mir, „da ist noch Luft nach oben“. Jetzt habe ich aber keine Zeit für eine Analyse meiner Grobmotorik.

Das Spiel beginnt

Zwei Mannschaften treten auf einem rechteckigen Feld an. Das Ziel besteht darin, die vom eigenen Team geworfene Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone zu fangen. Die Spieler müssen sich dazu ständig frei laufen. Der Spieler, der die Scheibe während eines Spielzugs gefangen hat, muss schnellstmöglich stehen bleiben. Anschließend darf er nur noch einen Sternschritt machen, wie es beispielsweise beim Basketball üblich ist. Der Spieler in Scheibenbesitz hat zehn Sekunden Zeit weiter zu passen. Der direkte Verteidiger des Werfers zählt im Sekundentakt bis Zehn. Mit diesem so genannten „Stall Count“ darf der Verteidiger beginnen, sobald er sich in einem Umkreis von drei Metern um den Werfer befindet.

Fairness zeichnet Spiel aus

Eine entscheidende Rolle beim Ultimate spielt die Fairness: „Es gibt keinen Schiedsrichter, alle strittigen Entscheidungen werden von den Beteiligten selbst geklärt“, sagt Bechthold. Jede Körperberührung wird als Foul gewertet, solange sie nicht beiläufig geschieht, das Spielgeschehen also nicht beeinflusst. Der gefoulte Spieler zeigt das Foul selbst an. Diskutiert wird fast nie, meist einigen sich die Kontrahenten schnell auf eine Fortsetzung des Spiels oder auf die Wiederholung des vorangegangen Spielzugs.

Die Anstrengung des Spiels ist mir bereits nach wenigen Minuten deutlich anzusehen: der Schweiß fließt, die Lunge brennt, die Beine werden wackelig. Aber es macht unglaublich viel Spaß der Scheibe hinterher zu jagen, sich zu drehen, anzubieten und zu freuen, wenn ein Pass über eine lange Distanz den eigenen Mitspieler findet. Ich werde heute Abend gut schlafen - und von spielenden Hunden träumen.

von Dennis Siepmann

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