Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
37 Schuss Schrot - kein Treffer

Trap-Schießen 37 Schuss Schrot - kein Treffer

Horst Weber schießt für sein Leben gerne, allerdings nur auf Tontauben. Er zeigt einem OP-Redakteur, was das Faszinierende am Trap-Schießen ist.

Voriger Artikel
Auf den Hocker, fertig, los!
Nächster Artikel
Jagd auf ein bekanntes Flugobjekt

Während OP-Redakteur Thomas Strothjohann die Augen zukneift, sieht Horst Weber ganz genau hin. Nach 37 Schuss steht fest: Für Olympia reicht es nicht.

Quelle: Tobias Hirsch

Momberg. Zwischen Momberg und Mengsberg, hinter einem Kornfeld und schon fast im Wald, liegt Horst Webers Schießstand. Jeden Sonntag kommt er hierher um mit seiner Schrotflinte auf Tontauben zu schießen. Jeden Sonntag seit 39 Jahren. Tontaubenschießen ist ein seltenes Hobby, eine Sportart, die höchstens alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen im Fernsehen übertragen wird. Da heißt sie dann zwar Trap, oder Doppel-Trap, aber eigentlich ist das alles dasselbe, sagt Weber.

 

Ich habe Zivildienst gemacht und würde meine Freizeit nie für Waffentests am Schießstand opfern, aber es interessiert mich, was es mit diesem Sport auf sich hat. Sind das Jäger, die mit Tontauben nur üben, sind es Waffennarren, die sich den Aufwand sparen wollen im Wald nach Zielen zu suchen – ist das überhaupt ein Sport und packt es mich vielleicht auch, wenn ich erst einmal eine Waffe in der Hand halte?

Schütze, aber kein Jäger

Horst Weber würde nie auf Tiere schießen. „Das verstößt gegen die Regeln der Sportschützen“, sagt der 76-Jährige. Angesicht der ausgestopften Tiere im Vereinshäuschen auf dem Schießplatz, wird man da zunächst misstrauisch. Aber dann erzählt der Schütze voller Freude, wie Hasen und ein Siebenschläfer auf dem Schießplatz ein- und ausgehen. Spätestens als Horst Weber zeigt, wie sich der kleine Siebenschläfer geräkelt hat, als er ihn kraulte, nimmt man ihm ab, dass er nicht auf Tiere schießt.

Tontaubenschießen funktioniert wie das Computerspiel Moorhuhn-Jagd: Der Schütze wartet, mit dem Gewehr im Anschlag, bis die Taube ins Sichtfeld fliegt und versucht sie dann in der kurzen Flugphase zu treffen. Beim Tontaubenschießen sind Waffe und Rückschlag echt, dafür sehen die Moorhühner im Computerspiel eher wie Wild aus, als Tontauben es tun. Tontauben sehen nämlich gar nicht wie Tauben aus – eher wie Aschenbecher: rot lackierte Schälchen mit ungefähr zehn Zentimetern Durchmesser. Offiziell heißen sie aus Rücksicht auf Tierfreunde nicht mehr Tontauben, sondern Wurfscheiben. Ich hatte mir Tontauben zumindest mit Flügeln und Kopf vorgestellt.

Die Aschenbecher-Schleudern

Bevor ich schießen darf, zeigt mir Horst Weber den Bunker. Er ist in einen Grashügel hineingegraben und bis auf einen waagerechten Schlitz und die Tür vorne verschlossen. Hier unten stehen drei Wurfmaschinen. Sie warten darauf gestartet zu werden und die roten Aschenbecher aus ihren Magazinen in hohem Bogen Richtung Wald zu schleudern.

Das Gewehr fühlt sich wirklich gut an. Glatt lackiertes Holz, perfekt verbunden mit dem Lauf aus Edelstahl. Kein Spielraum im Gelenk, ein leichter Widerstand am Abzug.

Die Waffe in die Schulter gedrückt, ein Auge zugekniffen und etwas verkrampft stehe ich jetzt unter einem Plexiglasdach auf dem Grashügel und versuche den Lauf so auszurichten, dass Kimme und Korn eine Acht bilden. Ein lautes Wort von mir, dann fliegt etwa zehn Meter weiter vorne die erste Tontaube aus dem Bunker und in mein Schussfeld. Wie war das nochmal? Soll man atmen beim Schießen, oder lieber die Luft anhalten: „Los!“ Rufe ich - „BUMMM!“ Antwortet mein Gewehr.

Hab ich getroffen? Keine Ahnung - Der Schuss hat mich so erschreckt, dass ich die Augen geschlossen habe. Als Treffer zählt ein Schuss, wenn ein sichtbares Stück von der Wurfscheibe abbricht. Aber davon war ich weit entfernt. Die Taube segelt unversehrt zum Waldrand und kann wieder eingesammelt werden – 26 Cent gespart.

Auch mit zwei Schüssen im Lauf nicht leichter

Ich darf es noch einmal versuchen. Gehörschutz aufsetzen, nachladen, anlegen, Scheibe abrufen, schießen. Wieder waren meine Augen zu und diesmal habe ich einen Schlag auf die Backe bekommen. Mit aller Ruhe korrigiert Horst Weber meine Schusstechnik, sagt, ob ich zu tief, oder zu hoch, zu früh, oder zu spät geschossen habe. Ich soll mich weiter nach vorne lehnen, um stabiler zu stehen.

So geht es weiter bis die erste Packung Schrot verschossen ist und meine Schulter schmerzt. Ein Schuss kostet nur 22 Cent, aber ich habe nicht das Gefühl, dass mehr Schüsse meine Chancen auf Erfolg steigern. Nach über 20 Versuchen ohne Treffer empfiehlt mein Lehrer, beide Läufe zu laden. Doch der zweite Schuss geht noch ungezielter ab, als der erste.

Innerlich habe ich schon aufgegeben. Jetzt glaubt nur noch Horst Weber an mich: „Wenn Sie nur einmal treffen, treffen Sie immer wieder“, ermutigt er mich.

Über Horst Weber

Obwohl er eigentlich immer trifft, wird ihm das Schießen nicht langweilig. Das Hobby ist Horst Weber so wichtig, dass er es seinem Arzt verschweigt: „Wenn ich ihm davon erzählen würde, dürfte ich das auch nicht mehr – ich darf ja nicht mal Rasen mähen“, sagt der 76-Jährige und man merkt ihm an, dass das für ihn das Schlimmste wäre. Seit einem Jahr plagt ihn die Schulter. Weber hofft, dass es nichts mit dem Rückschlag seiner Waffe zu tun hat.

von Thomas Strothjohann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bild des Tages